SEKA-Logo

SEKA-Rundbrief Mai 2018

Gorazde, 17. April 2018

Liebe SEKA-Freundinnen und Freunde,
wieder einmal ist es Zeit für den SEKA-Rundbrief!

Im letzten Journal haben wir anlässlich des SEKA-Jubiläums dem Gesamtrückblick auf zwanzig Jahre SEKA-Arbeit und dem Ausblick auf die zukünftige Projektentwicklung den Vorrang vor der aktuellen Berichterstattung gegeben. Daher werden wir in diesem Rundbrief über die aktuellen SEKA-Aktivitäten der letzten zwölf Monate berichten (April 2017 – bis April 2018). Das letzte Jahr ist für uns wie im Flug vergangen. Das SEKA-Team war in diesen zwölf Monaten aktiver denn je:

Regelmäßige Angebote im SEKA-Haus für die lokale Bevölkerung:

Der Schwerpunkt der SEKA-Arbeit lag wie auch bisher auf den (trauma-) therapeutischen, psycho-edukativen und pädagogischen Angeboten für die lokale Bevölkerung des Kantons Gorazde.
Das regelmäßige SEKA-Programm beinhaltete in den vergangenen zwölf Monaten:

Neben den regelmäßigen Angeboten fand in den vergangenen zwölf Monaten außerdem eine Vielzahl von weiteren Aktivitäten statt:

Die Arbeit von SEKA Gorazde im Jahr 2017 in Zahlen:

Von Januar bis Dezember 2017 nahmen insgesamt 381 TeilnehmerInnen für durchschnittlich 13 Stunden an unterschiedlichen Angeboten im SEKA-Haus teil.

Davon: Anzahl
Frauen 155
Kinder / Jugendliche
(davon Mädchen: 120 + Jungen: 87)
207
Männer 19
--------------------------------
Es nahmen teil
an Therapiegruppen für Frauen 33
an einzeltherapeutischen Terminen mit Frauen 47
an Workshops des Projekts ‚Frauen verändern sich selbst und die Welt um sich herum’ 49
an Gruppen- und Einzelarbeit mit Kindern / Jugendlichen 77
an Workshops mit Jugendlichen 99
an Gruppen- und Einzelarbeit mit jugendlichen Mädchen 18
an Projektarbeit mit Kindern / Jugendlichen 38
an offenen Terminen für Frauen 31
an offenen Terminen für Kinder 45
an Einzelarbeit mit Männern 5
Familienberatung 4
an Supervisionen 21
an Fach-Fortbildungen 36
Viele KlientInnen nahmen parallel an mehreren Angeboten teil.

‚Das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben frei von Gewalt’

Wie bereits im letzten Rundbrief berichtet, arbeiten wir seit Anfang 2017 intensiv an der Umsetzung der Istanbul-Konvention des Europarates zur ‚Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt’ (beschlossen 2011 in Istanbul und 2013 von Bosnien-Herzegowina ratifiziert) auf der lokalen Ebene des Kantons Gorazde.

Das Projekt, das mehrjährig angelegt ist und intensives Engagement auf unterschiedlichsten Ebenen und insgesamt einen ‚langen Atem’ benötigt, zielt zum einen darauf ab, die Hilfsangebote für Opfer von Gewalt zu verbessern und wirkungsvoller zu machen. Dies geschieht durch eine bessere Koordination und Zusammenarbeit aller beteiligten Institutionen und Behörden und durch multidisziplinäre Fachseminare und Supervision für die MitarbeiterInnen aller zuständigen Behörden, Institutionen und Organisationen. Zum anderen haben wir durch eine umfangreiche Studie, die SEKA gemeinsam mit dem Zentrum für Sozialarbeit und der Polizeibehörde für den Zeitraum von 2012–2017 durchführte, zum ersten Mal konkrete und differenzierte Daten bzgl. der registrierten Fälle von Gewalt in der Familie erhoben. Durch diese Studie konnten wir u.a. insbesondere die Probleme und Hindernisse identifizeren, die Betroffene davon abhalten, Hilfe zu suchen, bzw. eine Anzeige zu machen. Anhand dieser Probleme erarbeitete das multidisziplinäre Koordinationsteam konkrete Vorschläge und Forderungen an die Politik, über die wir Ende März 2018 bei einem Runden Tisch mit den zuständigen Regierungsvertretern diskutierten. Die Reaktionen der Politik waren durchaus positiv. Allerdings gilt es jetzt, Zusagen zu konkretisieren und einzufordern, sowie kurz oder mittelfristig umzusetzen.

Das Projekt wurde von Mai 2017 – April 2018 finanziell von Medica mondiale, Köln, gefördert. Vor ein paar Tagen wurde von Medica nun auch unser Folgeantrag bewilligt. Darüber sind wir sehr glücklich!

Einen ausführlichen Bericht über die Aktivitäten und die Erfolge des Projekts werden Sie dann im nächsten SEKA-Journal Ende November lesen können.

Gegen Stigma und Diskriminierung

Opfer sexualisierter Gewalt (im Krieg), aber auch Opfer anderer Formen von Gewalt müssen nicht nur mit ihren Traumata leben, sondern sind häufig zusätzlich mit diskriminierenden und stigmatisierenden Reaktionen ihrer Umgebung konfrontiert. Dies erleben sie leider auch im Gesundheitswesen oder in anderen Einrichtungen und Behörden, die eigentlich Hilfe leisten sollten. Oft hält diese Diskriminierung und Abwertung Betroffene davon ab, Hilfe zu suchen bzw. ihre Rechte als Opfer in Anspruch zu nehmen.

Unterstützt von UNFPA (s.o.) führte SEKA daher gemeinsam mit dem lokalen Gesundheitszentrum und einer Gorazder Jugendgruppe von Oktober 2017 bis März 2018 ein erstes Projekt zum Thema „Gesellschaftliche Stigmatisierung von Überlebenden von Gewalt – Sensibilisierung und Prävention” durch. Zum einen fanden zwei Vorträge und Diskussionsrunden mit den Beschäftigten des Gesundheitszentrums Gorazde und mit den Beschäftigten der Stadtverwaltung Gorazde statt – als Einstieg in ein weiteres Programm zu deren Sensibilisierung. Zum anderen wurde das Thema in drei Veranstaltungen sowohl mit Jugendlichen, als auch mit Eltern und außerdem mit einer Veteranengruppe diskutiert. Die Veranstaltungen stießen auf ein positives Echo, zeigten aber auch, dass weitere Bewusstseinsarbeit zu diesem Thema sehr nötig ist.

„Frauen verändern sich selbst und die Welt um sich herum!”

Anfang 2016 begann SEKA mit einem speziellen Programm für Frauen in ländlichen Gemeinden. Adressatinnen des damaligen Projekts zum Empowerment und zur Förderung der politischen Mitbestimmung ‚Wir erheben unsere Stimme’ (Finanzierung: Frauenstiftung filia, Hamburg) waren Frauen aus drei Dörfern des Kantons Gorazde.

Nach dem sehr erfolgreichen Abschluss des Projekts baten die Frauen um eine Fortsetzung der Workshops – allerdings eher zu psycho-edukativen Themen. Diesem Wunsch konnten wir (mit Unterstützung der Ökumenischen Fraueninitiative, Omiš, EIZ) im Jahr 2017 durch das Folgeprojekt „... dass wir jetzt unser Leben selbst gestalten!” entsprechen.

Die Workshops können wir nun – auf Wunsch der Frauen und mit erneuter Förderung durch EIZ – auch im Jahr 2018 mit Frauen aus insgesamt vier Dörfern fortsetzen. Inzwischen finden alle Workshops im SEKA-Haus statt, da hier Atmosphäre und Ausstattung optimal sind. Wir organisieren für alle Gruppen Fahrdienste. Den Frauen bedeutet diese Möglichkeit der Gruppenarbeit unglaublich viel. Alle Frauen sind (oft mehrfach) traumatisiert. Die meisten haben zum ersten Mal in ihrem Leben eine solche Möglichkeit zur psychischen Entlastung und Arbeit an persönlichen Themen.

Finanzen

Trotz intensiven Fundraisings und zahlreicher zusätzlicher Projekte, die das SEKA-Team neben der regulären therapeutischen Arbeit durchgeführt hat (s.o.) befindet sich SEKA derzeit in einer schwierigen finanziellen Situation. Die Spendeneinnahmen von SEKA Hamburg e.V. haben sich leider auch im Jahr 2017 weiter verringert. Die Rücklagen früherer Jahre sind fast aufgebraucht.

Seit April 2015 haben wir keine Förderung mehr für die therapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und müssen diese völlig durch Privatspenden finanzieren. Auch für die Finanzierung der therapeutischen Arbeit mit jugendlichen Mädchen, mit Frauen, Familien und Veteranen haben wir im Moment nur noch eine teilweise Förderung. Ob Anträge, die wir für diese Angebote gestellt haben, auch bewilligt werden, ist noch völlig unklar.

Die regelmäßige (trauma-)therapeutische Arbeit müssen wir so auch 2018 zu einem großen Teil durch Privatspenden finanzieren. Wir möchten Sie daher bitten, dass Sie auch in diesem Jahr an unserer Seite bleiben!

Sie können SEKA auch online unterstützen, z.B. über die Plattform ‚Gut für Hamburg’:
www.gut-fuer-hamburg.de/projects/255
Hier werden 100% der Spende an das Projekt weitergeleitet.

Oder für das Veteranenprojekt über:
www.betterplace.org/de/projects/587

Weitere Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie unter:
unterstuetzung.htm

Wir danken allen unseren FörderInnen und UnterstützerInnen von Herzen für ihre Begleitung und oft langjährige Unterstützung!

Mit herzlichen Grüßen

Gabriele Müller und Kolleginnen des SEKA-Teams Gorazde

Pfeil nach oben SEKA Logo