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SEKA Journal Nr. 24, Dezember 2013

Traumatherapie mit der Methode Psychodrama

Abschluss der vierten 3½ jährigen Fortbildungsreihe

Kleingruppenarbeit
Kleingruppenarbeit

Im April 2013 schlossen wir die dreieinhalbjährige Fortbildungsreihe ‚Traumatherapie mit der Methode Psychodrama’ mit einem fünftägigen Kolloquium und der feierlichen Übergabe der Zertifikate ab.

Es war dies die vierte mehrjährige Therapiefortbildung auf der Basis der Methode Psychodrama, die wir dieses Mal besonders Kolleginnen aus den ländlichen Gebieten Ostbosniens und ganz besonders aus dem Kanton Gorazde gewidmet hatten. Auf diese Weise wollten wir das Angebot an adäquater (trauma)therapeutischer Hilfe in Gorazde vergrößern.

Da es hier nur wenige Psychologinnen, bzw. Psychologinnen-Pädagoginnen (ein Studium, das es vor dem Krieg in Jugoslawien gab) gibt, ermöglichten wir auch interessierte Sozialarbeiterinnen und Pädagoginnen die Teilnahme an der Fortbildungsreihe. Die Gruppe setzte sich schließlich aus einer Psychologin, 2 Psychologinnen-Pädagoginnen, zwei Sozialarbeiterinnen, sechs Pädagoginnen, einer Sonderpädagogin und einer Studentin der Sozialarbeit zusammen. Wie in allen SEKA-Fortbildungen, luden wir sowohl Kolleginnen aus Gorazde (Föderation BiH) als auch aus der Republika Srpska zur Teilnahme an der Fortbildung ein, um durch die gemeinsame Arbeit die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Kolleginnen der unterschiedlichen ‚Entitäten’ (Bevölkerungsgruppen) zu verbessern.

An der Fortbildungsreihe nahmen dann neun Bosniakinnen und vier Serbinnen teil. Sie dauerte von Dezember 2009 bis April 2013 und umfasste insgesamt 436 Stunden, davon etwa 2/3 traumatherapeutische Selbsterfahrung mit der Methode Psychodrama und 1/3 Theorievermittlung, praktische Übungen und Supervision. Alle dreizehn Teilnehmerinnen waren selbst traumatisiert. Die Selbsterfahrung während der Fortbildung stellte für die meisten die erste Möglichkeit dar, eigene traumatische Erfahrungen zu verarbeiten.

Fortbildungsleitung, Supervision und die Begleitung der Abschlussarbeiten lagen - wie auch bei den früheren Fortbildungsreihen - bei Edita Ostojic (Psychologin und Traumaexpertin) und mir, Gabriele Müller.

Voraussetzung für den Erhalt des Zertifikats waren - neben der Seminarteilnahme - das Leiten der Fortbildungsgruppe unter Supervision, die Anwendung der gelernten Methode in der Arbeit mit KlientInnen spätestens ab dem dritten Fortbildungsjahr, sowie das Verfassen einer schriftlichen Abschlussarbeit, in der jede der Kolleginnen spezielle Aspekte der Traumatheorie und der Psychodrama-Theorie mit praktischen Beispielen der Anwendung in der eigenen Arbeit verknüpfen sollte.

Bereits das Lesen der Abschlussarbeiten zeigte uns, dass wir das wichtigste Ziel der Fortbildung erreicht hatten: Jede der Teilnehmerinnen hatte insbesondere die psychodramatische Philosophie und die therapeutische Haltung zutiefst verinnerlicht. Es war uns eine Freude - auch bei der psychodramatischen Präsentation der Arbeiten während des Abschlusskolloquiums - zu erleben, wie achtsam und vorsichtig die Kolleginnen die wirkungsvolle psychodramatische Methode in der Arbeit mit ihren KlientInnen anwandten, wie kreativ sie die Übungen abwandelten und der jeweiligen Situation und den Bedürfnissen und Möglichkeiten ihrer KlientInnen anpassten.

Besonders freute uns, dass es den Kolleginnen, die als Schulpsychologinnen bzw. -pädagoginnen arbeiten und in der Regel nur als ‚Feuerwehr’ missbraucht oder mit bürokratischen Aufgaben ‚zugeschüttet wurden’, gelungen war, sich angemessene Bedingungen zu erkämpfen oder zu schaffen, um psychotherapeutisch mit SchülerInnen arbeiten zu können. Die Ergebnisse dieser Arbeit begeisterten uns!

Im Folgenden möchte ich die Arbeit einer der Kolleginnen vorstellen, die unter schwierigsten Bedingungen als Psychologin-Pädagogin in der Grund- und Hauptschule einer Kleinstadt in der Republika Srpska arbeitet.

Zum Schutz der Klientin habe ich den Namen und auch einige andere Daten verändert.

Gabriele Müller

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