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SEKA Journal Nr. 23, Dezember 2012

„Ich hatte mich in meiner eigenen Welt verschlossen ...”

Kollegin Edisa A. mit Kindern in Neum
Kollegin Edisa A. mit Kindern in Neum

Nerma H. war während des Krieges Krankenschwester in der Armee BiH und erlebte eine Vielzahl schwer traumatischer Situationen. Sie kommt seit 1 ½ Jahren ins SEKA-Haus - zuerst zur Einzeltherapie bei Gabriele Müller. Seit ca. Jahr ist sie auch Teilnehmerin einer der Therapiegruppen. Sie schrieb für uns auf, wie sie zu SEKA gekommen ist und was ihr die therapeutischen Angebote in SEKA bedeuten.

Ich wusste nicht,
was mit mir geschah ...

Ich bin Teilnehmerin und Nutznießerin des Vereins SEKA. Bis zum Jahr 2004 war ich Angehörige der Armee der Föderation Bosnien-Herzegowina. Dann wurde ich aus Altersgründen entlassen. Als ich in die Armee eintrat, war ich völlig gesund - als ich mit 39 Jahren entlassen wurde, war ich eine kranke Frau, die bereits drei schwere Operationen hinter sich hatte.

Damals war mir nicht bewusst, in welcher psychischen Verfassung ich war - ich konnte das nicht definieren, was mit mir geschah. Doch bereits als ich noch in der Armee war, hatte ich verschiedene Probleme, z.B. häufig chaotische Alpträume. Danach getraute ich mich dann nicht mehr einzuschlafen. Ich wusste oft nicht mehr, was Traum und was Wirklichkeit war.
Ich suchte Hilfe bei einem Allgemeinarzt, der mir Schlaftabletten verschrieb. Doch nach einiger Zeit konnte ich auch mit Schlaftabletten nicht mehr schlafen oder mich überhaupt entspannen. Ich wusste mir keine Hilfe mehr ...

Diagnose PTBS

Im Gespräch mit einer Freundin und ehemaligen Arbeitskollegin erfuhr ich vom Verein ‚SEKA’. Meine Freundin versuchte, mich zu überzeugen, mit ihr dorthin zu kommen, wenn sie zu ihrem nächsten Termin ginge.

Zuerst lehnte ich das ab. Doch nach einiger Zeit stimmte ich schließlich aus Verzweiflung zu.

Allerdings verschlechterte sich mein Gesundheitszustand in dieser Zeit so sehr, dass ich erneut mehrmals ins Krankenhaus musste und noch mehrmals operiert wurde (inzwischen habe ich sechs OPs hinter mir).

Durch all das verschlechterte sich mein psychischer Zustand noch weiter. Ich ging schließlich zur Psychiaterin, die bei mir eine PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) diagnostizierte. Erst mit dieser Diagnose wurde mir bewusst, was eigentlich mit mir los war. Ich bekam Tabletten, immer wieder neue, die mir aber nicht halfen.

„...äußerste Konzentration”
„...äußerste Konzentration”

Die Symptome kontrollieren

Ich nahm nun das Angebot meiner Freundin an und ging mit ihr zu Kuca SEKA, da ich wusste, dass ich dringend Hilfe brauchte. Nach ein paar Wochen Wartezeit bekam ich glücklicherweise regelmäßige wöchentliche Termine bei Gabriele Müller. Die Gespräche mit ihr und die Methode, die sie anwendet, haben mir sehr geholfen.

Durch die Übungen und Techniken, die sie mir vorschlug und mit mir übte, konnte ich recht bald meine Symptome kontrollieren. Sie kamen auch nicht mehr so häufig, waren schwächer - und das Wichtigste war, dass ich wusste, was ich tun konnte. Die Wirksamkeit dieser Übungen wurde mir besonders deutlich, als ich wieder ins Krankenhaus musste. Mit Hilfe dieser Techniken konnte ich den Krankenhausaufenthalt und einige wirklich schwierige Situationen erstaunlich gut verkraften.

Die Möglichkeit, mir selbst zu helfen ...

Auch die Kommunikation mit meiner Familie hat sich durch die Therapie sehr verbessert. Erst hinterher erkannte ich, dass mein Verhalten in vielen Situationen sehr problematisch gewesen war. Oft hatte ich Angst, verrückt zu werden; dann hatte ich mich in meiner eigenen Welt verschlossen. Ich hatte Angst mit anderen Menschen zu kommunizieren, Angst dass die anderen merkten, dass mit mir etwas nicht stimmte ...

Heute weiß ich ganz sicher, dass ich in der Psychiatrie gelandet wäre, wenn ich nicht ins SEKA-Haus gekommen wäre und mit den Terminen bei Gabriele begonnen hätte.

Ich komme nun schon längere Zeit zur Einzeltherapie und nehme auch an der Gruppentherapie teil. Ich komme nun viel besser mit meinen gesundheitlichen Problemen und Einschränkungen zurecht und die Situation in meiner Familie hat sich normalisiert. Sie ist vielleicht noch nicht ideal, aber doch viel besser als in meiner kritischen Phase.

Ich möchte mich hier von Herzen bei Gabriele bedanken und bei dem Verein ‚SEKA’ - dafür, dass er besteht und dass ich hier die Möglichkeit bekomme, mir selbst zu helfen.

Ich bin der ganz einfache Beweis, wie wirkungsvoll die Methoden sind, die in SEKA angewandt werden und die ich gelernt habe. Natürlich ist es notwendig, wirklich bereit zu sein und an sich selbst zu arbeiten, aber dann zahlt es sich aus. Ich gehe auch weiter regelmäßig zu den Terminen, da ich möchte, dass sich mein Leben noch weiter verbessert.

DANKE Gabriele, DANKE SEKA! DANKE allen, die SEKA möglich gemacht haben!

Nerma H.

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