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SEKA Journal Nr. 20, Dezember 2009

"Das erfüllt mich mit großer Freude"

Gespräch mit Koordinatorin Esma Drkenda

Esma Drkenda ist sowohl Vorsitzende des Frauenvereins SEKA Gorazde als auch Koordinatorin des Projekts ‘Kuca SEKA’. Um einen Einblick in diese Seite der SEKA-Projektarbeit zu geben, hat unsere neue Kollegin Amela Drincic Esma einige Fragen gestellt:

A.D.: Esma, Du bist Koordinatorin von SEKA. Welche Aufgaben beinhaltet denn Deine Tätigkeit?

E.D.: Ehrlich gesagt, habe ich neben meiner Aufgabe als Koordinatorin noch alle möglichen anderen Jobs (wie das in den meisten Frauenprojekten ja der Fall ist): Ich bin hier gleichzeitig die Hausmeisterin, die sich z.B. um die Instandhaltung des Hauses kümmert - entweder selber Dinge repariert oder die Handwerker anleitet; ich bin (gemeinsam mit Sekretärin Vera Dacic) zuständig für die Projektorganisation (z.B. Organisation der Seminare oder des Erholungsaufenthalts) und für die Logistik, d.h. ich kümmere mich um den möglichst günstigen Einkauf der für die Projektarbeit oder den Betrieb des Hauses notwendigen Dinge. Ich bin oft Fahrerin - ob für die Einkäufe oder um Frauen und Kindern, die z.B. in einem entlegenen Dorf wohnen, zu ermöglichen an der Gruppenarbeit im SEKA-Haus teilzunehmen. Ich mache den Service für unsere Computer in SEKA und ähnliches mehr. Aber um auf meine Tätigkeit als Koordinatorin zurückzukommen ...

Vergnügen mit der ‘Meerschlage’
Vergnügen mit der ‘Meerschlage’

A.D.: Genau, was beinhaltet das denn alles?

E.D.: Meine Tätigkeit beinhaltet eine ganze Menge Verwaltungsaufgaben. In Bosnien ist die Bürokratie leider unglaublich aufgebläht - das hängt noch mit dem alten System zusammen. Für alles und jedes, was wir tun und was in noch so geringem Maß Ausgaben erfordert, muss ein Vorstandsbeschluss gefasst werden. Jeder Vorstandsbeschluss muss in einem Akt niedergelegt werden - ob es um die Finanzierung der Fahrtkosten für eine Honorarkollegin geht, oder um die Anschaffung eines Druckers, die Ausgaben für einen Fotoworkshop mit den Kindern oder ähnliches.

Ausgaben, die regelmäßig anfallen (z.B. die Anschaffung von Büromaterial oder von Kaffee, Getränken und Gebäck für die regelmäßige Arbeit mit Frauen und Kindern) haben wir in jährlichen Beschlüssen zusammengefasst. In den zwei Jahren unserer Arbeit hier haben wir insgesamt fast 200 Vorstandsbeschlüsse gefasst. Es ist verrückt, aber die Gesetze verlangen das und wenn wir keine ernsthaften Schwierigkeiten bekommen wollen, müssen wir uns daran halten. Aber es kostet besonders Vera und mich furchtbar viel Zeit...

Zu den Verwaltungsaufgaben, gehören auch die Bankgeschäfte und die Vorbereitung der Finanzbuchhaltung für unsere Buchhaltungsfirma (auch diese Arbeiten erledigen Vera und ich gemeinsam).

Eine meiner originären Aufgaben als Koordinatorin ist natürlich auch die Vertretung des Projekts nach außen, die Kooperation mit anderen Organisationen und Institutionen, Mitarbeit in Gremien auf Stadt- und Kantonsebene, um die Demokratisierung voranzutreiben. Oder auch das Lobbieren für Themen und Fragen, die mit der SEKA-Arbeit verbunden sind, bzw. die SEKA-Klientinnen oder bestimmte Bevölkerungsgruppen betreffen. Bei diesen Aufgaben unterstützen mich zeitweise meine Kolleginnen, bei wichtigen Fragen auch Gabriele Müller, unsere Projektleiterin.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit ist ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich, den ich überwiegend zusammen mit Gabriele oder auch Amina Vrana wahrnehme: die Vorbereitung von Fernsehsendungen; Interviews mit Zeitungen, Fernsehen oder Radio - erst gestern gab es eine 45-minütige Lifesendung über die SEKA-Arbeit im Radio, bei der ich Rede und Antwort gestanden habe. Zur Öffentlichkeitsarbeit gehört auch die Organisation oder Teilnahme an Podiumsdiskussionen, das Schreiben von Artikeln oder die Erstellung von Infomaterial über SEKA.

Einer meiner wichtigsten Aufgabenbereiche, den ich gemeinsam mit Gabriele wahrnehme, ist das Fundraising, das heißt, das Schreiben von Anträgen, die Dokumentation der Projekte und die Erstellung der Berichte und Finanzberichte.

Darüber hinaus versuche ich, immer für meine Kolleginnen da zu sein, wenn sie Rat oder Unterstützung benötigen, um ihnen ihre Aufgaben zu erleichtern.

A.D.: Welche von Deinen Aufgaben fallen Dir am schwersten?

E.D.: Die Medienarbeit empfinde ich oft als am schwierigsten, weil ich eigentlich nicht gerne im Mittelpunkt stehe, diese Aufgabe das aber erfordert. Zeitweise habe ich auch immer noch kleine Blockaden beim Sprechen - bedingt durch meinen Schlaganfall 2001.

Ungern gehe ich auch zu bestimmten Behörden, deren Mitarbeiter ich als sehr unangenehm kenne. Aber wenn ich dann am Ende einen Erfolg für unsere KlientInnen erreichen konnte, oder wenn es einen guten Medienbeitrag über SEKA gab, dann bin ich mit meiner Rolle doch auch wieder zufrieden!

Eine andere große Sorge ist immer wieder die Frage des finanziellen Überlebens des Projekts. Zu Anfang hatte ich keinerlei Erfahrung mit Fundraising. Inzwischen habe ich mich - mit Gabrieles Unterstützung - mehr und mehr eingearbeitet.

A.D.: Was macht Dir am meisten Freude an Deiner Arbeit?

E.D.: Wenn ich sehe, dass unsere oft mühsame Arbeit Früchte trägt. In vielen Rückmeldungen sagen uns unsere KlientInnen, dass das, was SEKA den Menschen hier bietet, wirklich etwas Einmaliges ist. Das höre ich besonders von denen, die oft viele Jahre mit ihren schweren Erfahrungen alleine waren. Und ich kann selbst sehen, wie sehr sie sich verändert haben. Das erfüllt mich mit großer Freude.

Übersetzung: Gabriele Müller

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