SEKA-Logo

SEKA Journal Nr. 20, Dezember 2009

"Wieder richtig Freude am Leben ..."

Therapeutische Arbeit mit Frauen und Kindern

Im folgenden beschreiben wir an zwei Beispielen die konkrete Arbeit mit Frauen und Kindern sowohl während des Erholungsaufenthalts als auch im SEKA-Haus:

"Darüber habe ich noch nie mit jemandem gesprochen ..."

Alma* und Kenan*

Als Alma mit ihrem Sohn zur Vorbesprechung ins SEKA-Haus kam, konnten wir kaum glauben, dass Kenan erst 12 Jahre alt ist. Er hat den Körperbau eines 14-15-jährigen. Außerdem wirkte er auf uns sehr ernsthaft, um nicht zu sagen bekümmert, und gleichzeitig ängstlich und schroff.

Kenan unterschied sich stark von den anderen Kindern der Gruppe - die sich eben wie Kinder verhielten.

In den ersten Tagen fiel es ihm sehr schwer zu spielen oder einfach Spaß zu haben. Immer war er angespannt, auf der Hut ‘ja nichts falsch zu machen’. Es fiel ihm schwer, wenn sich die Aufmerksamkeit auf ihn richtete, wenn bei den verschiedenen Übungen jedes Kind an die Reihe kam, über sich zu sprechen.

Gleichzeitig war es ihm sehr wichtig, was die anderen von ihm dachten. Bei Tanz- oder Bewegungsspielen fühlte sich der Junge offensichtlich unwohl. Es wirkte, als ob er ‘in seinem Körper nicht zu Hause sei’. Am Strand wollte er nicht ins Wasser und erst am zweiten Tag vertraute er Amina an, dass er nicht schwimmen könne und ihm das peinlich sei, da er doch schon so groß sei.

Die anderen Kinder empfanden Kenan als seltsam und am ersten Tag kam es vor, dass sie über ihn lachten. Da wir an diesem Tag in der Gruppe gemeinsam die Regeln erarbeiteten "Wie wir miteinander umgehen wollen, dass wir uns alle gut fühlen", sprachen wir auch darüber, wie es ist, wenn andere über uns lachen. Alle gaben zu, dass sie sich dann unsicher oder verletzt fühlten. Eine der Regeln, die wir beschlossen war auch: "Akzeptieren, dass wir verschieden sind."

Später sagte uns Kenan, wie wichtig für ihn diese Regeln am Anfang gewesen seien. Dass sie ihm geholfen hätten, allmählich seinen Platz in der Gruppe zu finden.

Kleingruppenarbeit zum Thema ‘Vorurteile’
Kleingruppenarbeit zum Thema ‘Vorurteile’
Arbeiten wie ein Mann ...

Durch die Gruppenarbeit der ersten Tage zu verschiedenen Themen wurde immer deutlicher, dass Kenans Alltag völlig verschieden ist vom Alltag der übrigen Kinder: Kenan lebt mit seiner Mutter Alma und seiner Großmutter mütterlicherseits in einer Obdachlosenunterkunft in einem Dorf nahe Gorazde. Er kennt seinen Vater nicht, weiß nur, dass dieser "eine andere Familie hat" und keinen Kontakt zu Kenan will, obwohl er ihn als Sohn anerkannt hat. Wir können uns nur vorstellen, wie schmerzhaft dies für den Jungen sein muss und was es für dessen Selbstwertgefühl bedeutet.

Der Vater bezahlt keine Alimente. Alma und Kenan erhalten auch keine Sozialhilfe, da die Behörden der Ansicht sind, der Vater solle für das Kind bezahlen und die Mutter könne arbeiten. Die Familie lebt teils von der winzigen Rente der Großmutter, teils durch einen Garten, den sie nutzen dürfen. Hauptsächlich sind sie auf Gelegenheitsarbeiten angewiesen, die größtenteils Kenan übernehmen muss als "einziger Mann in der Familie". Er hackt bei den Bauern Holz, mäht Wiesen, hilft auf dem Feld und im Stall, gräbt Gärten um, hilft bei Erntearbeiten und ähnlichem, um ein paar Mark (die bosnische Währung ist die ‘Konvertible Mark’ - KM) zu verdienen oder wenigstens Lebensmittel.

Dies alles macht er neben der Schule. In der Schule ist er oft müde, nutzt die Schulstunden zum Ausruhen und ist daher kein guter Schüler.

Das Verhältnis zu seiner Mutter ist gespannt. Die Kommunikation beschränkt sich auf das Nötigste. Dies konnten auch wir beobachten. Von der Mutter hörten wir anfangs hauptsächlich Forderungen und Kritik gegenüber ihrem Sohn. Auch die Großmutter scheint für Kenan keine große Unterstützung zu sein. Wie sehr Kenan ein Halt fehlt, zeigte er auch körperlich: Es war ihm anfangs unmöglich frei im Raum zu stehen; er musste sich ständig anlehnen - am Mobiliar, an der Wand ...

Die Übung ‘Mein Herz’
Die Übung ‘Mein Herz’
Freunde finden

Insbesondere die Übung zu Stärken und Ressourcen ‘Mein Herz’ machte deutlich, wie anders Kenans Leben im Vergleich zu dem der übrigen Kinder war: Neben seiner Mutter und Großmutter zeichnete er in sein Herz verschiedene Werkzeuge wie Hammer, Beil, Sense u.ä..

Nachdem der Junge in der Gruppe erzählt hatte, warum ihm diese Dinge so wichtig und unentbehrlich waren, veränderte sich das Verhalten der anderen Kinder ihm gegenüber stark. Sie verstanden ihn nun besser und hatten Respekt. Er war anders als sie, nicht weil er das so wollte, sondern weil das Leben das von ihm verlangte. Besonders die beiden älteren Jungen bezogen ihn nun in ihre Aktivitäten stets mit ein und es entwickelte sich bis zum Ende des Aufenthalts in Neum eine enge Freundschaft zwischen den drei Jungen.

Gemeinsam mit ihnen traute Kenan sich nun auch ins Meer. Allerdings gelang es ihm nicht, an den wenigen Schönwettertagen Schwimmen zu lernen, dazu fehlte ihm noch das Vertrauen. Aber er balgte sich mit den anderen um die ‘Meeresschlange’ und hatte durchaus Spaß im Wasser.

Als es bei einem Spaziergang auf der Mole ein plötzliches Gedränge gab und ausgerechnet Kenan ins tiefe Wasser fiel, war sofort sein Freund Mesud* zur Stelle, der gut schwimmen kann, zu Kenan ins Wasser sprang und ihm half, sich über Wasser zu halten, bis Amina ihn ans Ufer zog.

Diese Situation nutzten wir in der Arbeit mit der Kindergruppe, um über verschiedene Themen zu reden: über achtsamen Umgang miteinander; über die Art und Weise, wie Kenan die Nerven behalten hatte, obwohl er nicht schwimmen kann; über Mesuds Geistesgegenwart und Mut und über das Thema Freundschaft.

Durch diese Interventionen konnte Kenan das ursprünglich angstbesetzte Erlebnis als eine positive Erfahrung sehen, aus der er gestärkt und mit dem Bewusstsein, Freunde zu haben und nicht allein zu sein, herausging.

Eine riesige Wut

Eine andere für Kenan offensichtlich entscheidende Erfahrung war die Übung ‘Wut ablassen’ im Rahmen der Arbeit an den vier Grundgefühlen Angst, Ärger/Wut, Trauer und Freude. In dieser Übung haben die Kinder die Möglichkeit ihre Wut an Schaumstoffpolstern auszulassen und dabei auch verbal auszudrücken. Offensichtlich hatte sich in Kenan eine riesige Wut angestaut. Mit großer Vehemenz und Ausdauer - allerdings schweigend - bearbeitete er die Polster. Danach wirkte er erleichtert und bei der Abschlussrunde dieses Tages meinte er: "Das war die beste Übung für mich; ich fühle mich jetzt super! Die könnte ich jeden Tage machen!"

Es war offensichtlich, dass Kenan in seiner Doppelrolle als einziges Kind, das gleichzeitig den ‘Mann im Haus’ ersetzen muss, vollkommen überfordert war, dass er täglich Frustrationen ansammelte, über die er aber mit niemandem sprechen konnte.

Unmutsäußerungen wurden in seinem sehr traditionellen Umfeld streng sanktioniert. Es war für ihn sehr wichtig durch die Gruppenarbeit zu erfahren, "dass Wut ein natürliches Gefühl ist, aber dass wir für unser Verhalten verantwortlich sind".

"Das Schlimmste ist, wenn Du allein bist mit allem ..."

Obwohl Kenans Mutter Alma sich zuerst unter der Gruppenarbeit nichts Konkretes vorstellen konnte, ließ sie sich bereitwillig darauf ein. Zu Anfang war sie zwar sehr zurückhaltend, aber sie hörte den anderen Frauen aufmerksam zu. Von Tag zu Tag fasste sie mehr Vertrauen. Sie begann von ihrem schweren Leben zu erzählen:

Schon als Kind musste sie in der Landwirtschaft mitarbeiten "wie eine Erwachsene". Der Vater war meist abwesend, die Mutter arbeitete hart und verlangte das auch von den Kindern. Für emotionale Zuwendung oder gar Zärtlichkeit hatte sie keine Kapazität.

Als der Krieg ausbrach, war Alma eine junge Frau von 20 Jahren. Ihr damaliger Verlobter, der einzige Mensch, von dem sie in ihrem Leben Verständnis und Zärtlichkeit erfahren hatte, wurde bereits in den ersten Kriegstagen getötet, als er gemeinsam mit anderen Männern versuchte, das Dorf zu verteidigen.

Alma wurde - zusammen mit anderen Frauen und Mädchen - in ein Lager verschleppt und dort wochenlang festgehalten. Sie erlebte zahlreiche Vergewaltigungen und andere Grausamkeiten und Demütigungen.

Über diese Zeit kann sie noch immer nicht sprechen; sie leidet zeitweise unter starken intrusiven Symptomen, hat häufig Alpträume und Schlafstörungen. "Ich habe das tief in mir vergraben, ich will daran nicht rühren," sagt sie. Die viele Arbeit hilft ihr: "Solange ich arbeite, bin ich abgelenkt ... Das hilft."

Nach dem Krieg kehrte sie mit ihrer Mutter in ihr Dorf zurück. Ihr Haus war zerstört, sie kamen im Flüchtlingsheim unter. Dann lernte sie einen Mann kennen, der neue Hoffnung in ihr weckte. Er verheimlichte ihr, dass er bereits verheiratet war. Sie wurde schwanger und er verschwand. Erst damals erfuhr sie, dass er schon eine Frau und zwei Kinder hatte. Es gelang ihr, ihn ausfindig zu machen und zur Rede zu stellen. Doch sie erfuhr nur neue Demütigungen und Verletzungen.

Für Alma war es schrecklich, ein uneheliches Kind zu bekommen. Ihre Mutter machte ihr Vorwürfe, im Dorf wurde getratscht. Alma zog sich völlig in sich zurück. Sie wollte nicht mehr leben. Ihre einzige Unterstützung war ihr Bruder, der zeitweise zu Besuch kam und zu ihr hielt. "Das Schlimmste, ist wenn du alleine bist mit allem und dich niemandem anvertrauen kannst ..." erinnert sie sich an diese Zeit.

Arbeit auf der Psychodrama-Bühne
Arbeit auf der Psychodrama-Bühne
Ein hartes Leben

Kenan wurde geboren. Doch sie konnte keine Liebe für dieses Kind empfinden. Sie versorgte ihn, fütterte ihn regelmäßig, hielt ihn sauber. Aber sie konnte ihm keine Zärtlichkeit geben. Oft fühlte sie sich schuldig dafür. Doch sie hatte einfach keine Kraft. Und sie fühlte sich unendlich einsam.

Finanziell waren sie und ihre Mutter ständig in der Krise. Sie lebten von der Hinterbliebenen-Rente der Mutter und von dem, was Alma verdiente, wenn sie bei anderen im Haus und in der Landwirtschaft half. Sie tat das ungern, da sie ständig neugierigen Fragen ausgesetzt war. Sie wurde immer schweigsamer, tat ihre Arbeit aber sprach mit niemandem - außer mit ihrem Bruder, den sie ein paar Mal im Jahr sah.

Kenan wurde größer. Er war ein kräftiger Junge - aber auch scheu und voller Hemmungen im Kontakt mit anderen. Sie erwartete von ihm, dass er mithalf. Sie ‘hatte ja sonst niemanden ...’ Auch als Kind konnte er bei den Bauern auf dem Feld helfen. So erarbeiteten sie beide wenigstens Lebensmittel. Als er zehn Jahre alt war, brachte sie ihm das Holz hacken bei, mit elf das Mähen mit der Sense.

Inzwischen hatte er sich mit seinen zwölf Jahren zu einem tüchtigen Arbeiter und Handwerker entwickelt. Alma vergaß oft, dass er noch ein Kind war. Kenans Verdienst war für sie unentbehrlich.

Verständnis und Anteilnahme ...

In der Gruppe sprach Alma zum ersten Mal mit anderen über ihr Leben. Zum ersten Mal erfuhr sie, dass andere ihr mit Anteilnahme zuhörten. Und sie hörte die Erfahrungen der anderen Frauen in der Gruppe. In den schweren Schicksalen einiger anderer Frauen erkannte sie sich selbst.

"Ich bewundere euch für euren Mut und eure Kraft. Es lässt mich hoffen, dass auch ich mein Schicksal meistern kann ... Und ich danke euch, dass ihr mir zugehört habt. Über all das habe ich noch nie gesprochen ... Jetzt fühle ich mich leichter ..."

Besonders wichtige Übungen während der Gruppenarbeit waren für Alma die Symbolarbeit zum Thema ‘Die Quellen meiner Kraft’, die Übung ‘Soziales Atom - das Netz meiner wichtigsten Beziehungen’, die verschiedenen Einheiten zum Thema ‘Kinder’ und die Übung ‘Mauer’ (zum Thema ‘Lebensstrategien’).

Zu Beginn der Übung ‘Die Quellen meiner Kraft’ fiel es Alma schwer, sich ihrer Stärken und Ressourcen bewusst zu werden. Unser Nachfragen als Therapeutinnen und insbesondere die Beiträge der anderen Frauen über ihre Kraftquellen halfen Alma jedoch, sich über ihre Stärken und Ressourcen zumindest teilweise bewusst zu werden. Als sie schließlich ihre kleine ‘Szene’ (Steine und Muscheln auf einem Blatt Papier) vorstellte, war sie aufgeregt und sehr berührt. Und in der Abschlussrunde sagte sie: "Heute fühle ich mich wirklich wundervoll. Ihr habt mir geholfen, zu erkennen, dass ich trotz allem ein wertvoller Mensch bin und außerdem wirklich stark. Es hat mir gefallen, als ihr gesagt habt, ich solle mich selbst mit den Augen ‘einer besten Freundin’ ansehen. Ich glaube, das werde ich weiter versuchen. Im Moment fühle ich mich ganz reich. Danke!"

In der Übung ‘Soziales Atom’ erkannte Alma zum einen, dass ihre Wahrnehmung "ganz allein zu sein" gar nicht stimmte. Sie erkannte, dass "ich mir die Leute eigentlich vom Leib halte, weil ich nichts Gutes erwarte". Außerdem erkannte sie, dass sie sich bisher "immer um die Falschen bemüht" hatte: "Um die, die mich nicht schätzen und mich eigentlich nur ausnutzen ... und die, die sich um mich bemühen, lasse ich links liegen. Das werde ich in Zukunft ändern."

Eine bittere Erkenntnis

In der Imaginationsübung ‘Mauer’ erlebte Alma sich zuerst hilflos und blockiert. Als sie ‘ihre Mauer’ dann mit der Unterstützung von Therapeutin Nurka Babovic ‘auf die Bühne brachte’, erlebte sie, wie sehr sie sich bei der Lösung von Problemen auf ihren Sohn Kenan verließ, ihn dann aber - als sie die ‘Mauer’ überwunden hatte ‘vergaß’. Die Feedbacks der anderen aus den Rollen machten ihr dies überdeutlich. Diese Erkenntnis erschütterte sie.

In den Einheiten zum Thema ‘Kinder’ wurde Alma bewusst, wie sehr sie Kenan überforderte.

Gleichzeitig erkannte sie, wie sehr sie sich auch selbst als Kind überfordert gefühlt hatte. Und wie hart sie das gemacht hatte.

Sie erkannte, dass ihr Umgang mit ihrem Sohn der gleiche Erziehungsstil war, den sie als Kind erlebt hatte, aber dass es auch mit ihren Erfahrungen im Krieg zusammenhing. "Ich dachte, du musst ihn darauf vorbereiten, dass das Leben ein Kampf ist und du nichts geschenkt bekommst."

Auch die Verletzungen und Demütigungen, die sie aufgrund ihrer unehelichen Mutterschaft erfahren hatte, ließen sie manchmal in Kenan "den Grund für alles Übel sehen" - wenn sie sich auch bewusst war, "dass er doch nichts dafür kann".

Alma realisierte, dass sie an der Beziehung zu ihrem Kind weiter arbeiten müsse: "Aber ich glaube, dass ich dazu noch eure Hilfe brauche."

Eine neue Erfahrung

Die zwölf Tage in Neum halfen Alma und Kenan, sich - ohne die Belastungen des Alltags - neu zu begegnen in einer entspannten Atmosphäre und unterstützt durch ihre jeweilige Gruppe.

Kenan erlebte zum ersten Mal in seinem Leben, dass er zu einer (Kinder-)Gruppe gehört und da anerkannt und wertgeschätzt war. Er entspannte sich von Tag zu Tag ein wenig mehr, wenn auch eine gewisse Grundanspannung blieb. Und er zeigte ganz neue Seiten: er konnte auf eine schnodderige Art sehr witzig sein. Er ging liebevoll mit den kleineren Jungen und mit den Mädchen um. Und sein Bedürfnis ‘um jeden Preis akzeptiert zu werden’, verringerte sich in dem Maße wie sein Selbstbewusstsein wuchs. Noch immer fiel es ihm nicht leicht, im Mittelpunkt zu stehen; aber dennoch war er bereit, beim Programm für den letzten Abend einen Beitrag zu übernehmen, in dem er alleine eine Geschichte vorlas!

Auch Alma fühlte sich entlastet und angeregt durch die Gruppenarbeit und unterstützt von ‘ihrer Gruppe’. Sie wurde sich der Schwierigkeiten in der Beziehung zu ihrem Sohn mehr und mehr bewusst und machte diese nicht mehr nur an ihm fest. Sie kritisierte weniger an ihm herum und nach der Vorstellung am letzten Abend war sie offensichtlich stolz auf ihn und versuchte, ihm das etwas unbeholfen zu zeigen. Kenan wehrte zwar ihre Berührung ab, aber dann stahl sich doch ein kleines Lächeln auf sein Gesicht.

Auf sein Blatt zur Evaluation schrieb Kenan am Ende des Erholungsaufenthalts:

"Mir hat alles gefallen, nur manchmal war es mir anstrengend, den anderen zuzuhören, wenn ich selber etwas sagen wollte. Am Anfang war es mir schwer, wenn die anderen mich nicht verstanden haben. Aber dann hat sich das geändert. Jetzt habe ich zwei Freunde. Als ich ins Meer gefallen bin, bin ich sehr erschrocken, ich dachte ich ertrinke. Aber dann haben mir Mesud und Amina geholfen. Zuerst dachte ich, ehrlich gesagt, die Gruppenstunden sind Kinderkram, aber jetzt bin ich froh, dass ich dabei war. Ich habe viel gelernt, was ich nicht wusste. Ich mag Amina und Adisa. Sie waren immer geduldig und hilfsbereit. Das Wetter hat mich einige Tage genervt, aber es war auch nicht so schlimm, weil wir interessante Dinge gemacht haben. Toll war, als wir auf die Kissen gehauen haben. Ich hatte das Gefühl, meine ganze Wut kommt raus und dann war mir leichter. Über vieles habe ich früher nie nachgedacht. Als wir tanzen sollten, hat mich das genervt, weil ich das nicht kann. Die Überraschungen fand ich super, besonders die Fotoapparate und die Fahrt mit dem Schiff. Ich wäre gerne Kapitän. Ich möchte sehr gerne weiter ins SEKA-Haus in Gorazde kommen."

Arijana Catovic, Gabriele Müller, Amina Vrana

Anmerkung: Namen geändert

Pfeil nach oben
SEKA Logo