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SEKA Journal Nr. 19, Dezember 2008

"Gestärkt, reicher und bewusster"

Fortbildungsreihe "Traumatherapie auf der Basis der Methode Psychodrama"

Nach zwei jeweils 3-jährige Fortbildungsreihen "Theorie und Praxis des Psychodrama in der Arbeit mit traumatisierten Frauen und Kindern", die wir in der Zeit zwischen 1998 und 2003 im SEKA-Haus durchführten und an denen Fachkolleginnen von Frauenprojekten und Nichtregierungsorganisationen aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien teilnahmen, gelang es uns trotz großen Interesses erst wieder im Jahr 2006, die Finanzierung einer neuen Fortbildungsreihe zu sichern - größtenteils durch die Förderung des Weltfrauengebetstags (Deutsches Komitee).

In der Zwischenzeit hatten wir - aufgrund der fast 10-jährigen Erfahrung in der therapeutischen Arbeit mit traumatisierten Frauen und Kindern ein neues Konzept erarbeitet - mit Schwerpunkt auf Traumatherapie mit den Methoden Psychodrama und imaginativen Techniken. Die Fortbildung baute nun theoretisch einerseits auf der Philosophie und Methode des Psychodramas auf - andererseits auf dem Konzept der Psychodynamischen Imaginativen Traumatherapie von Luise Reddemann (langjährige Leiterin der psychosomatischen Klinik in Bielefeld).

Durch unsere Arbeit im SEKA-Haus mit Hunderten von Klientinnen aus den ländlichen Gebieten Bosnien-Herzegowinas und Kroatiens hatten wir die Erkenntnis gewonnen, dass eine psychotherapeutische Versorgung von (traumatisierten) KlientInnen außerhalb der wenigen Großstädte quasi nicht existiert.

Die in den Institutionen beschäftigten PsychiaterInnen und PsychologInnen haben in der Regel keine Kenntnisse in Psychotherapie, geschweige denn in Traumatherapie.

Die Behandlung von traumatisierten PatientInnen, die meist erst bei gravierenden Problemen medizinische Hilfe suchen, wird in der Regel nur medikamentös durchgeführt. Leider wurden in den vergangenen Jahren oft auch aus Unkenntnis falsche Diagnosen gegeben: Intrusive Traumasymptome wurden häufig als Schizophrenie diagnostiziert.

Aus diesem Grund luden wir zur Fortbildungsreihe "Traumatherapie mit der Methode Psychodrama und imaginativen und kreativen Techniken" zu allererst Kolleginnen aus den Gesundheitsdiensten der ländlichen Gebiet Bosnien-Herzegowinas und Kroatiens ein.

Die Gruppe setzte sich schließlich aus 12 Kolleginnen zusammen, darunter 2 leitende Psychiaterinnen, 7 Psychologinnen, 2 Sozialarbeiterinnen und eine sehr engagierte Studentin der Sozialarbeit. Wie immer im SEKA-Haus war die Gruppe gemischt: Sechs der teilnehmerinnen sind Bosniakinnen, vier Serbinnen, eine ist Kroatin und eine Mazedonierin. Die Frauen kommen aus 10 verschiedenen Orten aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina (Föderation und Republika Srpska) und Mazedonien, sowie aus 12 verschiedenen Institutionen: Krankenhäusern, Zentren für psychische Gesundheit, Zentren für Sozialarbeit, einer Suchtberatungsstelle, Schulen und aus einem Frauenhaus und einem Kinderheim.

Soziodramatisches Gruppenbild
Soziodramatisches Gruppenbild

Neben der Vermittlung von Kenntnissen und der therapeutischen Entlastung der Kolleginnen, die alle selbst mehr oder weniger kriegstraumatisert waren, zielte die Fortbildung auch darauf ab, die Kommunikation und Vernetzung der Kolleginnen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen untereinander zu fördern.

Die Fortbildungsreihe, die Psychologin und Trauma-Expertin Edita Ostojic und ich selbst (Gabriele Müller) leiten, umfasst insgesamt 9 sechstägige Seminare. Die ersten vier Seminare fanden von September 2006 bis Juli 2007 noch im SEKA-Haus auf Brac, die Folge-Seminare dann in Gorazde statt. Das 8. Seminar haben wir vor kurzem im Oktober 2008 durchgeführt. Die Struktur der Fortbildungsreihe orientiert sich an dem Konzept des therapeutischen Heilungsprozesses in der Traumatherapie, um den Kolleginnen die Möglichkeit zu geben, quasi selbst die Phasen des Heilungsprozesses zu durchlaufen.

Neben der Traumatheorie und der Philosophie und Theorie des Psychodramas lernten die Frauen in jedem Seminar sowohl durch Selbsterfahrung als auch durch praktische Demonstrationen an Fallbeispielen eine Vielzahl an Techniken und Übungen kennen, die in den verschiedenen Phasen einer Traumatherapie angewandt werden können (Sicherheit und Vertrauensbildung, Stabilisierung, Traumakonfrontation, sowie Trauerarbeit und Integration). Einen wesentlichen Bestandteil bilden hier die Psychodrama-Techniken (angepasst an die Arbeit mit traumatisierten Menschen), Techniken zur besseren Kontrolle von Traumasymptomen, sowie imaginative Übungen zur Selbstberuhigung und Selbstunterstützung (nach Reddemann). Besonders breiten Raum gaben wir der Arbeit zur Stabilisierung von KlientInnen, die sowohl die Arbeit an Ressourcen, Beziehungen, Kommunikation, Coping-Mechanismen, als auch mit Emotionen sowie unterstützenden und destruktiven Ego-States beinhaltete.

Die Gruppe wuchs durch die intensive Selbsterfahrung, auf die sich alle Kolleginnen bereitwillig einließen, rasch zusammen und es entwickelten sich nahe Beziehungen unter den Frauen. Dies ermöglichte die Bearbeitung schwieriger persönlicher Themen und ebenso, dass die Frauen mehr und mehr über ihre leidvollen Kriegserfahrungen sprechen konnten - unterstützt und liebevoll begleitet von der ganzen Gruppe. Die Zugehörigkeit zu den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen hat in dieser Gruppe ihre trennende Bedeutung vollkommen verloren.

Auf dieser Grundlage war es auch möglich, über die besonderen Anforderungen der therapeutischen Arbeit mit Kriegsveteranen zu sprechen, sowie über die Arbeit mit Menschen, die in extremen Situationen gegen ihre eigenen Werte gehandelt hatten und damit nun nicht fertig wurden, - und über den Umgang mit Tätern.

Uns als Leiterinnen war es wichtig, durch diese Themen das Bewusstsein für einen umfassenden Ansatz zur Trauma-Arbeit zu schärfen.

Im 7. und 8. Seminar hatten die Teilnehmerinnen schließlich Gelegenheit, zu zweit unter Supervision die Gruppe für jeweils einen Tag zu leiten. Das letzte ( 9.) Seminar der Fortbildung wird im April 2009 in Form eines Abschlusskolloquiums stattfinden. An den ersten beiden Tagen werden die Kolleginnen Gelegenheit haben, ihren persönlichen Prozess während der acht Termine zu reflektieren und zu integrieren. Anschließend wird jede Kollegin - unter Nutzung der psychodramatischen Methode - das Thema ihrer schriftlichen Abschlussarbeit vorstellen, demonstrieren und zur Diskussion stellen.

Gabriele Müller

Zwei der Kolleginnen, Zumreta Behric und Ljiljana Spuran-Knezevic, haben über Ihre Eindrücke jeweils einen Beitrag für das SEKA-Journal geschrieben:

"Ein langer Weg ...

Im Dezember 1997 erzählte mir Edita Ostojic in Sarajevo in der Pause zwischen zwei Vorlesungen zu unserem Zusatzstudium "Trauma-Psychologie" von einer Fortbildungsreihe, die bald im Projekt SEKA auf der kroatischen Insel Brac beginnen sollte. In dieser dreijährigen Fortbildung würde die deutsche Kollegin Gabriele Müller die Anwendung von Psychodrama in der Arbeit mit traumatisierten KlientInnen lehren.

In dieser Zeit (zwei Jahre nach Kriegsende) war für mich schon der Gedanke an eine Reise ins Nachbarland Kroatien ein Traum; denn die Verkehrsverbindungen in weiten Teilen Bosniens waren zerstört oder unterbrochen. Die Eisenbahnverbindung - früher die leichteste Möglichkeit, nach Split zu gelangen - war außer Funktion; Busse verkehrten zu dieser Zeit nicht aus dem nordwestlichen Bosnien in Richtung Dalmatien. Ein Auto besaß ich nicht. Mein Vorkriegsauto war - zusammen mit dem Haus meiner Familie - im Krieg verbrannt. Neben all diesen Schwierigkeiten war es Winter - mit viel Schnee und großer Kälte ... Mit einem Wort: dieser Traum war für mich unausführbar! Aber: Träume können doch manchmal wahr werden. Im Mai 2006 nämlich bekam ich wieder eine Einladung zu einer dreijährigen Fortbildungsreihe in Kuca SEKA zum Thema "Traumatherapie mit der Methode Psychodrama und imaginativen und kreativen Techniken"- diesmal über die junge Kollegin von Medica Zenica Arijana Catovic.

Sofort bestätigte ich mein Interesse - ohne eine Sekunde nachzudenken, ob ich die Einwilligung meines Arbeitgebers erhalten würde, ob die Reise nach Brac vielleicht zu beschwerlich war, oder ob ich vielleicht nicht den Aufnahmekriterien der Veranstalterinnen entsprach. Ich spürte einfach, dass ich da hin musste, dass ich diese zweite Chance auf keinen Fall nicht verpassen wollte. Ich hoffte, mein Traum würde sich nun endlich erfüllen. Und so war es auch!

Arbeit mit Symbolen
Arbeit mit Symbolen

.... zu meiner eigenen Heilung

Diese Einleitung schreibe ich, um Ihnen deutlich zu machen, wie viel mir diese Fortbildung und die Möglichkeit der therapeutischen Arbeit an mir selbst bedeutet.

Es war für mich selbst dringend notwendig, dass ich - auf sorgsame, ehrliche und vor allem warmherzige Art und Weise begleitet - die in mir angesammelten schmerzhaften und ‘unvollendeten’ Erfahrungen verarbeiten und meine Beziehung zu meiner Umgebung neu definieren konnte.

Im SEKA-Haus war es mir möglich, neben dem Erwerb fachlicher Kenntnisse in Traumatherapie, den Weg zu meiner eigenen Heilung zu finden - mit Hilfe der psychodramatischen Inszenierungen, der kognitiven Analyse, der Übungen zur Entlastung, Entspannung und Energetisierung, der therapeutischen Rituale und ganz besonders durch die sichere fachliche Begleitung der Leiterinnen und die Unterstützung der Gruppe. Dieser Prozess war vollkommen angepasst an meine Bedürfnisse und meine Möglichkeiten und bezog Körper und Seele ein. Dadurch wurde mein Potential zu Kreativität und Spontaneität wieder erweckt und damit meine Fähigkeit zur Selbstheilung.

Aber was heißt das konkret? Ich erfuhr ‘am eigenen Leib’ die Wahrheit des Lehrsatzes von J.L. Moreno (dem Begründer des Psychodramas): "Handeln ist heilender als Reden". In dem sicheren Setting unserer Fortbildungsgruppe begann für mich die Erforschung meiner selbst und der Prozess der (Wieder-)Entdeckung meiner Ressourcen. Durch die Arbeit am "Sozialen Atom" wurde ich mir der Qualität meiner Beziehungen zu anderen bewusst und meiner diesbezüglichen Veränderungswünsche.

Ich verarbeitete den Tod meines Bruders, unter dem ich viele Jahre gelitten hatte und befreite mich von meinen damit verbundenen Schuldgefühlen.

Ich erkannte, dass meine Schwester, die in dieser Situation ebenfalls schwer verletzt wurde und noch heute an den Folgen leidet, neben mir auch noch andere Personen hat, die sie unterstützen, und dass ich nicht alleine diese Last tragen muss.

Noch jetzt berührt es mich zutiefst, wenn ich mich an die Psychodrama-Szene erinnere, durch die mir bewusst wurde, wie sehr mir in einer traumatischen Situation meiner Kindheit (Unfall und Krankenhausaufenthalt mit drei Jahren) meine Mutter gefehlt hat, und dass ich in dieser Psychodrama-Szene das nach-erleben durfte, was mir damals gefehlt hatte: die Umarmung meiner ‘Mutter’.

Und kein bisschen weniger bedeutend ist für mich die Erkenntnis, dass ich ursprünglich Linkshänderin bin und dass mich meine Grundschullehrerin ‘umgewöhnt hat’ auf die rechte Hand. (Das war vor mehr als 40 Jahren so üblich und gefordert.) Diese Erkenntnis hat mir Antworten auf viele Fragen gegeben: angefangen von meiner Aversion gegenüber formalen Autoritäten, bis hin zu meiner Schwierigkeit, mich räumlich zu orientieren.

Durch die Fortbildung habe ich erkannt, dass meine typischen Reaktionen auf Stress und traumatische Erfahrungen meine Gefühle von Verwirrung und Leere sind, die in Wirklichkeit meinen Widerstand darstellen, an diese schmerzlichen Erinnerungen zu rühren.

Besonders hilfreich waren für mich auch die ‘Abschiedsrituale’, durch die ich mich von vielen lieben verstorbenen Menschen verabschieden konnte, von denen dies in der Realität nicht möglich war (oder nicht auf die Weise, die ich mir gewünscht hätte).

Sehr viel bedeutet mir auch, dass ich mir in jedem Augenblick des Verständnisses und der Unterstützung der übrigen Frauen der Gruppe sicher bin - und das alles, weil ich riesiges Vertrauen in die Leiterinnen habe, die mich (wie auch alle anderen Teilnehmerinnen) achtsam begleiten auf unserem Weg der inneren Erforschung. Die psychodramatische / humanistische Haltung, die Übungen zur Selbstunterstützung und das Bemühen um ‘authentische Begegnung’ mit anderen Menschen sind inzwischen zu einem wichtigen Bestandteil meines Lebens geworden.

Die Macht des Psychodramas

Kurz gesagt, alles was ich bisher in unserer Fortbildungs- (und Selbsterfahrungs-)gruppe im SEKA-Haus erlebt habe, sei es auf Brac oder in Gorazde, hat mich gestärkt und bereichert - um einen völlig neuen Ansatz und wirkungsvolle Techniken in meiner Arbeit mit meinen KlientInnen.

Ich bin mir nun meiner selbst mehr bewusst - meiner Möglichkeiten und meiner Grenzen. Dies gilt im Hinblick auf mich persönlich als verletzliches menschliches Wesen, das bisher seine Verletzlichkeit negiert und seinen Schmerz unterdrückt hatte, aber in gleichem Maße im Hinblick auf mich als Professionelle, die mit ebenso verletzten und empfindlichen Menschen arbeitet, die meine Ermutigung benötigen, damit sie sich wieder als aktiv und handlungsfähig erleben können - als die SchöpferInnen ihres Lebens. Die psychodramatische Methode ermöglicht ihnen dies: ihr Leben zu untersuchen und Neues auszuprobieren, ohne Angst oder negative Konsequenzen - das habe ich selbst erlebt.

Psychodrama-Szene
Psychodrama-Szene

Ich wende den psychodramatischen Ansatz (den ich noch immer lerne) häufig in der Arbeit mit meinen KlientInnen an - und jedes Mal freue ich mich darüber, dass meine KlientInnen die Macht der psychodramatischen Arbeit selbst als Geschenk erleben; denn sie werden sich ihrer eigenen Potentiale bewusst, sie lernen, wie sie sich selbst helfen können auf dem Weg zur Selbstheilung. Ihre Leiden lässt nach, denn sie lernen, wie sie ihre Symptome mehr und mehr kontrollieren können, sie lernen sich selbst zu stabilisieren und entwickeln Strategien, wie sie mit Stress und schwierigen Gefühlen umgehen können.

Die Fortbildung im SEKA-Haus hat mir in der Arbeit mit traumatisierten Menschen außerdem wirkungsvolle Techniken für die Konfrontation mit traumatischen Erfahrungen an die Hand gegeben - allerdings immer im Bewusstsein, dass die Klientin ihren Weg und ihr Tempo selbst bestimmt.

Ich möchte hier die Worte einer meiner Klientinnen zitieren, die nach der psychodramatischen Arbeit zu ihren Ressourcen sagte: "Erst jetzt sehe ich, dass sich nichts ohne Grund ereignet; das hier ist großartig. Es hat sich alles wie von selbst ergeben - als ob meine Hand von einer unsichtbaren Macht gesteuert worden sei, die eine lange verschlossene Tür in meinem Inneren geöffnet und mir meine Stärken gezeigt hat."

Das SEKA-Haus und die Atmosphäre, die es charakterisieren, wo auch immer es sich befindet (Brac, Gorazde ...) unterweist uns in einem Geist des Friedens, der Toleranz, der aufrichtigen Wertschätzung und des Annehmens und einer tiefen Liebe zu all denen, die Leid erfahren haben und die Hilfe benötigen.

Auch wir professionelle Kolleginnen haben hier eine Hilfe von unschätzbarem Wert bekommen, durch Fortbildung und die Möglichkeit der Arbeit an sich selbst - in einer Weise, wie es hierzulande einmalig ist. Wir alle arbeiten in Kleinstädten oder im ländlichen Bereich. Ohne SEKA gäbe es für uns keine Möglichkeit, an unseren persönlichen Themen zu arbeiten. Aber - und auch dessen bin ich mir durch diese Fortbildung bewusst geworden - die Arbeit an mir selbst ist die unbedingte Voraussetzung für eine gute und sorgsame Arbeit mit KlientInnen und die beste Vorbeugung nicht auszubrennen.

Ich möchte mich hier herzlich bedanken bei den Frauen des Weltfrauengebetstags und den Menschen in Deutschland, die durch ihre Förderung und ihre Spenden für uns diese Fortbildungsreihe ermöglicht haben. Sie und natürlich unsere Fortbildungs-Leiterinnen Gabi und Edita und das gesamte SEKA-Team haben mir geholfen, dass ich anders, meiner selbst mehr bewusst, bereichert durch einen zutiefst humanen Ansatz in der Behandlung von Trauma meine KlientInnen auf dem Weg zu ihrer Heilung begleiten kann - und dass ich persönlich allmählich Frieden in meiner Seele finde, dass ich wieder lachen und das Leben genießen kann."

Zumreta Behric
Psychologin / Expertin für Traumapsychologie

"Ich suchte nach etwas Neuem ... Anderem ..."

Vom SEKA Projekt auf Brac und seinen Programmen habe ich im Mai 2005 zum ersten Mal gehört. Was ich darüber hörte, weckte sofort mein Interesse; und so bemühte ich mich um weitere Informationen. Es beeindruckte mich, was das SEKA-Team seit 1997 für eine nicht geringe Anzahl von Frauen, Kindern, Professionellen und Aktivistinnen getan hatte. Es klang so gut: Bildungs-, Therapie und Erholungs-Zentrum für für Frauen und Kinder, das alles brauchte ich. In den letzten 15 Jahren meiner Berufstätigkeit hatte ich kaum Möglichkeiten zur Fortbildung. Stattdessen hatten sich in der Nachkriegsgesellschaft die Probleme potenziert, neue Notlagen entwickelt, die KlientInnen kamen mit Problemen, auf die wir keine Antwort wussten. Mein professionelles Selbstbewusstsein als Psychologin war dadurch erschüttert. Ich fühlte, dass ich an meine Grenzen gestoßen war, suchte nach etwas Neuem, etwas Anderem.

Auch in meinem persönlichen Leben, in meiner Familie war viel geschehen - in den stressreichen vergangenen 15 Jahren.

Ich benötigte für mich persönlich Therapie und Entlastung, beruflich dringend Fortbildung, um den neuen Herausforderungen gewachsen zu sein. Ich spürte, dass ich all dies in Kuca SEKA finden könnte.

Deshalb war meine Freude groß, als ich erfuhr, dass es SEKA gelungen war, die Finanzmittel zu sichern für eine Fortbildungsreihe für Fachkolleginnen aus Institutionen, die traumatisierte Menschen behandeln.

Ich habe mich sofort angemeldet und war überglücklich, als ich die Zusage erhielt. Auf diese Weise begann meine "nähere Begegnung mit dem Psychodrama" im September 2006.

Die therapeutische Philosophie J.L. Morenos, die als Grundlage eine sehr optimistische Haltung hat ("Der Mensch lebt für die Freude / um glücklich zu sein ..."), der Glaube an das unzerstörbare Potential zur Kreativität und Spontaneität in jedem Menschen und seine Kraft zur Selbstheilung, sowie die Methode des Psychodramas entsprachen in vielem meiner eigenen Lebensphilosophie und professionellen Einstellung.

Das Psychodrama, das als Methode orientiert ist am Handeln, an der Kommunikation mit anderen Menschen, das auf die authentische Begegnung mit anderen (durch gegenseitige Empathie - ‘Tele’) abzielt und vieles mehr ..., hat sich in den vergangenen zwei Jahren sehr positiv auf mich ausgewirkt - persönlich und beruflich.

Das Psychodrama hat mir geholfen, dass ich viele schwierige persönliche Themen ‘auf die Bühne gestellt habe’, um sie auf diese Weise besser zu betrachten und zu konkretisieren, damit sie für mich überschaubarer werden; es hat mir geholfen, vieles "Nicht-Bearbeitete" zu bearbeiten und neue Lösungen zu finden und mir meiner Potentiale und Ressourcen bewusst zu werden. Nach zwei Jahren Fortbildung bin ich mir bewusst, dass ich für mich persönlich sehr viel bekommen habe.

Das Anti-Rollenspiel
Das Anti-Rollenspiel

Aber ich habe auch beruflich außerordentlich profitiert: Von besonderer Bedeutung ist für mich, dass ich Techniken und Übungen für jede Phase des therapeutischen Trauma-Heilungsprozesses erlernt und an mir selbst praktisch erfahren habe: Techniken zur besseren Kontrolle der posttraumatischen Symptome; theoretische und praktische Erfahrung der Psychodrama-Methode und ihrer Techniken in Kombination mit imaginativen und kreativen Techniken für die Arbeit mit traumatisierten KlientInnen; Burn-Out-Prävention in der psycho-sozialen Arbeit; Psychodrama in der Gruppen- aber auch in der Einzelarbeit; Supervision für die eigene Arbeit der Teilnehmerinnen ....

Viele der durch die Fortbildung gelernten Übungen und Techniken nutze ich bereits in der Arbeit mit KlientInnen. Ich will hier nur einige benennen: die Übungen zur Erwärmung - insbesondere zu Beginn der Arbeit mit einer Gruppe, zur Schaffung von Sicherheit und Vertrauen; Übungen zur aktiven Entspannung und Energetisierung; zur Integration der erarbeiteten Themen; soziometrische Übungen; imaginative Übungen zur Selbstberuhigung und Selbst-Unterstützung der KlientInnen, bzw. zur Erwärmung für bestimmte Themen (Ressourcen, Coping-Strategien, Sinnfrage ...); und selbstverständlich psychodramatische und kreative Techniken: Arbeit mit Symbolen, Malen / Zeichnen, Arbeit am ‘Sozialen Atom’, Arbeit mit Bildern, Skulpturen oder Szenen (auf der großen Bühne) und anderes mehr ...

Einen Überblick über mein Leben bekommen ...

Zu Anfang war ich überrascht, wie gut die KlientInnen diese doch recht ungewöhnliche Methode annahmen. Eine meiner Klientinnen sagte auf meine Frage, wie sie diese Art der therapeutischen Arbeit denn empfunden habe: "Zuerst - als Sie mir angeboten haben mit den Symbolen zu arbeiten - war ich schon verwundert, dann hat es mich fasziniert, was ein Stein alles aus mir herausbringen kann, und jetzt kommt mir das ganz natürlich vor. Die Arbeit mit den Symbolen hat mir sehr geholfen, einen Überblick über mein Leben zu bekommen und zu merken, dass ich darüber entscheide, was ich tun will und niemand anders."

Auch die Jugendlichen, mit denen ich in der Gruppe arbeite, mögen die Übungen und Spiele, sie haben viel Spaß, aber sie lassen sich auch ernsthaft ein. Besonders gefallen hat ihnen die Arbeit an ihren Beziehungen mit Hilfe des ‘Sozialen Atoms’.

Die Fortbildung hat mir geholfen, ein klares Konzept für meine Arbeit zu entwickeln und mir außerdem einen ganzen Schatz an Methoden und Techniken geschenkt.

Ich bin sehr glücklich, dass ich Teil einer solchen Gruppe mit wundervollen Kolleginnen und hervorragenden Leiterinnen sein kann, von denen ich - von jeder einzelnen auf ihre Art - außerordentlich viel gelernt und bekommen habe. Und natürlich wäre dies alles nicht vollkommen ohne die liebenswürdigen, hilfsbereiten Kolleginnen des SEKA-Teams (sowohl auf Brac als auch in Gorazde), denen ich hier noch einmal ganz herzlich danken möchte.

Sorgsam und wirkungsvoll ...

Von Anfang an bin ich mir bewusst, dass sich in unserer Fortbildung auf ideale Weise die Vermittlung einer sehr ernsthaften und gut anwendbaren Methode trifft mit der Möglichkeit für uns alle, selbst Therapie und Entlastung zu bekommen. Es liegen nun noch zwei Seminare vor uns. Dann werden wir unsere Fortbildung - zum Schwerpunkt Traumatherapie - abschließen.

Durch diese Fortbildung habe ich erkannt, dass "Psychodrama" ganz sicher die Therapiemethode meiner Wahl ist. Mit den Erfahrungen, die ich hier machen konnte, habe ich erst gemerkt, was diese Art der Arbeit für Möglichkeiten bietet - auf sorgsame aber doch ungemein wirkungsvolle Art, Menschen zu helfen, ihren Weg zu finden.

All denen, die mir ermöglicht haben, an dieser Fortbildung teilzunehmen, möchte ich hier von Herzen danken.

Ljiljana Spuran-Knezevic,
Dipl. Psychologin im Zentrum für Sozialarbeit, Trebinje

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