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SEKA Journal Nr. 18, November 2007

"Herzlich willkommen in Gorazde, SEKA!"

Über die feierliche Eröffnung von "Kuca SEKA Gorazde"

Gorazde

Am Oberlauf des Flusses Drina, umgeben von den östlichen Ausläufern des Gebirges Jahorina, auf einer Höhe von 345 Metern über dem Meeresspiegel liegt das Städtchen Gorazde. Gorazde hat seine Geschichte, seine warmherzigen und gastfreundlichen Einwohner und seine klare grüne Drina. Diese Stadt, die Berge und die Drina erinnern sich an viele schöne Ereignisse, aber auch an die Tage, als ein schreckliches Unwetter Bosnien heimsuchte. Der Krieg hat in dieser Gegend tiefe Spuren in den Seelen der Menschen hinterlassen; in jedem Lächeln liegt heute eine Spur Trauer, eine Trauer, die schwer zu sehen ist; in den Augen steht der Wunsch zu leben, aber auch Schmerz; in jedem Gesicht haben sich Falten tief eingegraben. Die Drina erinnert sich, die Berge erinnern sich an das Leid, das Gorazde und seine Bevölkerung durchlebt haben. Das ist Gorazde...

Ein besonderer Tag

Das SEKA-Haus in Gorazde
Das SEKA-Haus in Gorazde

Am Morgen dieses 12. Septembers 2007 beschien die Sonne das Städtchen, als ob sie mit ihren Strahlen ihre Freude zeigen wollte - über das heutige Ereignis in Gorazde: die Ankunft von SEKA. Eine stürmische Nacht hatte die Strassen voller Pfützen zurückgelassen, aber der Himmel war nun blau und nur noch vereinzelte Wolken zogen ihres Weges. In der Strasse Ibrahim Popovic 49 waren die Frauen des Vereins SEKA Gorazde mit den letzten Vorbereitungen für die feierliche Eröffnung von "Kuca SEKA Gorazde" beschäftigt. Sie warteten auf die ersten Gäste und mit jeder Minute wuchs die Freude und die Aufregung in den Herzen.

Die Gäste

Vor dem SEKA-Haus sammelten sich gegen 10.00 Uhr die offiziellen Gäste, die wir für diesen Tag eingeladen hatten, damit sie mit uns Glück und Freude teilen sollten über den Beginn der SEKA-Arbeit in Gorazde. Zu unserer angenehmen Überraschung kamen fast alle, denen wir für diesen Tag eine Einladung geschickt hatten: unsere Freundinnen und Kolleginnen aus Medica Zenica, Vesna Sobot als Vertreterin des ehemaligen SEKA-Brac-Teams (aus Banja Luka), die Bürgermeister der Gemeinden Gorazde und Ustikolina, der Minister für Soziales und für Flüchtlingsfragen des Kantons, die Vertreterinnen verschiedener Frauenorganisationen in Gorazde, Vertreter des Veteranen-Klubs "Svjetlost Drine", ein Vertreter des Zentrums für die Förderung der zivilen Gesellschaft, der Direktor des Dokumentationszentrums (zur Untersuchung der Verbrechen während des vergangenen Krieges) aus Sarajevo, Vertreterinnen des UNDP Sarajevo (UN-Organisation für Entwicklung), Mitarbeiterinnen des Gesundheitszentrums in Gorazde, der Familienberatungsstelle Gorazde, des Zentrums für Sozialarbeit Gorazde, Vertreter des Eufor-Beobachtungs-Teams Gorazde, sowie Vertreterinnen der SOS-Kinderdorf-Projekte Gorazde und Mostar. Zusätzlich kamen viele Glückwunschmails von unseren Freundinnen und Kolleginnen aus Deutschland, Kroatien, und Italien.

Als Vorsitzende der Frauenvereinigung 'SEKA' Gorazde, hieß ich die Gäste willkommen, dann überreichte ich einen riesigen buntbemalten Schlüssel der Projektleiterin, Gabriele Müller ('unserer Gabi'), der dieser Schlüssel mit einem Mal "sehr schwer war". Im rechten Moment kamen ihr daher Adela und Ado zu Hilfe, die beiden jüngsten Kinder der Gorazder Gruppe, die in diesem Jahr am SEKA-Erholungsaufenthalt in Neum teilgenommen hatten. Mit vereinten Kräften gelang es den dreien dann, begleitet von Fernsehen und Presse und unter dem Applaus und der fröhlichen Anteilnahme der Anwesenden, feierlich die Tür zum SEKA-Haus 'aufzuschließen' und damit 'Kuca SEKA Gorazde' zu eröffnen, als einen sicheren Ort, einen Ort der Wärme und des Verständnisses für alle, woher sie auch immer kommen und welche Last sie auch immer in ihrer Seele tragen.

Esma Drkenda bei der Übergabe des riesigen Schlüssels an ...
Esma Drkenda bei der Übergabe des riesigen Schlüssels an ...
... Projektleiterin Gabriele Müller, der Adela und Ado "zu Hilfe kommen"
... Projektleiterin Gabriele Müller, der Adela und Ado "zu Hilfe kommen"

Im Inneren des Hauses gleich an der Wand gegenüber des Eingangs empfing eine große gemalte Sonne die Gäste mit einem Willkommensgruß; an den Wänden des Treppenhauses und der Flure hatten außerdem die Kolleginnen Amina Vrana, Senija Tabakovic und Vera Dacic zahlreiche vergrößerte Fotos aus der zehnjährigen SEKA-Projektarbeit auf Brac zu einer Ausstellung arrangiert, die die BesucherInnen gleich auf lebendige Weise mit der SEKA-Arbeit vertraut machte.

Die Gäste wurden von den Vereinsfrauen durchs Haus geführt und verbargen nicht ihre Begeisterung bezüglich der sorgfältigen Ausstattung der Räume; interessiert erkundigten sie sich nach den geplanten Programm-Aktivitäten von SEKA Gorazde.

Besondere Aufmerksamkeit erweckten die Räume für die Arbeit mit den Kindern, die die Kolleginnen Amina und Senka mit all den Dingen aus dem Bracer Kindertherapiehaus liebevoll eingerichtet hatten, so dass die Kinder sich nun wie im "Reich ihrer Träume" fühlen können.

Während des anschließenden Empfangs informierte ich in einer kleinen Ansprache über die Ziele und geplanten Aktivitäten des Projekts, sowie über die Finanzierung. Danach äußerten viele der BesucherInnen in zahlreichen Grußworten ihre Freude darüber, dass ein solches Projekt nach Gorazde gekommen war, sowie ihre Bereitschaft zur Unterstützung bzw. ihr Interesse an einer Zusammenarbeit. Alle waren der Meinung, dass dieses Projekt in Gorazde 'mehr als nötig sei': "Bisher haben wir Hilfe bekommen, bei dem Wiederaufbau der Häuser, der Brücken und Straßen, der Infrastruktur ... Mit SEKA bekommen wir zum ersten mal Hilfe, die direkt den Menschen zugute kommt, die sich den 'Ruinen in ihren Seelen' annimmt, die man schwerer wahrnimmt, oder die wir nicht wagen wahrzunehmen - aus Angst, dass dann 'der Rest auch noch zusammenbricht'" sagte einer der Bürgermeister. Und der Vertreter des Klubs "Svjetlost Drine" ergänzte: "SEKA hat in Gorazde bereits das Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit dem Veteranen-Klub "Svjetlost Drine" begonnen, mit dem Ziel, kriegstraumatisierten Veteranen psychologische und psycho-soziale Hilfe anzubieten. Nun, da das Frauenfriedensprojekt SEKA selbst nach Gorazde gekommen ist - mit seinen Programmen für Frauen und Kinder, sind wir überzeugt, dass wir durch unsere Zusammenarbeit ein umfassendes Hilfsangebot für alle Familienmitglieder entwickeln können, die unter den komplexen und schwerwiegenden Folgen von Kriegstraumata leiden."

Die Gäste hatten nun Gelegenheit, sich in unser Gästebuch einzutragen.

Nach dem offiziellen Empfang organisierten wir am Nachmittag zwischen 15 und 18 Uhr einen 'Tag der offenen Tür' für alle diejenigen, die sich für die SEKA-Arbeit interessierten:

Viele Frauen und Kinder kamen. Für die Kinder hatten Senka und Amina ein besonderes Programm organisiert - mit Musik und vielerlei Spielen; Die Frauen hatten Gelegenheit, bei Kaffee und köstlichen Kuchen (die die Vereinsfrauen gebacken hatten) mehr über die geplanten SEKA-Programme zu erfahren. Unter den Besucherinnen waren viele Teilnehmerinnen des Erholungsaufenthalts in Neum, die begeistert von ihren Erfahrungen erzählten und darüber, wie viel ihnen die Gruppenarbeit geholfen hatte. Sie waren glücklich darüber, dass es nun SEKA in Gorazde gibt und sehr interessiert, die Gruppenarbeit im SEKA-Haus fortzusetzen.

Am Ende des ereignisreichen Tages waren wir alle müde, aber auch glücklich und zufrieden über die große Resonanz die unsere Eröffnungsfeier gefunden hatte. Wir hatten das Gefühl, dass SEKA nun wirklich in Gorazde angekommen war.

An dieser Stelle möchte ich mich besonders bei unseren Kolleginnen vom Verein SEKA Hamburg e.V. dafür bedanken, dass sie unserer noch sehr jungen Organisation ihr Vertrauen geschenkt und uns ermöglicht haben, Kuca SEKA gerade in Gorazde wieder zu eröffnen.

Es ist nicht genug, nur den Krieg zu beenden - wirklicher Friede kann nur wachsen, wenn wir lernen, den Frieden in uns selbst zu finden.

Esma Drkenda

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