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SEKA-Rundbrief Mai 2017

Gorazde, 18. April 2017

Liebe SEKA-Freundinnen und Freunde,

In diesen Tagen freuen wir uns sehr über einen weiteren Zuwachs im SEKA-Team: Am fünften April wurde - etwas früher als geplant - der kleine Amir geboren, das zweite Kind unserer Kollegin Amina Sarajliæ. Mutter und Kind geht es gut. Amina wird noch bis April 2018 in Elternzeit sein.

In der Arbeit mit den Kindern vertritt sie unsere neue junge Kollegin Emina Delahmet, die zuvor ihr Anerkennungsjahr als Sozialpädagogin in einer Grundschule absolviert hat. Amina hatte Emina bereits seit Dezember letzten Jahres eingearbeitet. Die Kinder haben Emina sehr gut angenommen und kommen weiter zahlreich zu allen Aktivitäten.

SEKA-Programm von Mitte Oktober 2016 bis Ende April 2017:

Regelmäßige Angebote im SEKA-Haus für die lokale Bevölkerung:

Der Schwerpunkt der SEKA-Arbeit liegt nach wie vor auf den regelmäßigen (trauma-)therapeutischen, psycho-edukativen und pädagogischen Angeboten für die lokale Bevölkerung des Kantons Gorazde. Das regelmäßige SEKA-Programm beinhaltete in den vergangenen 6 Monaten:

Kollegin Emina Delahmet in der Arbeit mit Kindern
Kollegin Emina Delahmet in der Arbeit mit Kindern
Nach der Gruppenarbeit ein gemeinsames Foto ...
Nach der Gruppenarbeit ein gemeinsames Foto ...

Neben diesen regelmäßigen Angeboten fanden im vergangenen halben Jahr außerdem folgende Aktivitäten statt:

Die Arbeit von SEKA Gorazde im Jahr 2016 in Zahlen:

Von Januar bis Dezember 2016 nahmen insgesamt 245 TeilnehmerInnen für durchschnittlich 29 Stunden an unterschiedlichen Angeboten im SEKA-Haus teil.

Davon: Anzahl
Frauen 123
Kinder / Jugendliche
(davon Mädchen: 75 + Jungen: 39)
114
Männer (überw. Veteranen) 8
--------------------------------
Es nahmen teil
an Therapiegruppen für Frauen 20
an einzeltherapeutischen Terminen mit Frauen 28
an Workshops des Projekts für Frauen in drei Dörfern ‚Wir erheben unsere Stimme’ 47
an Gruppen- und Einzelarbeit mit Kindern / Jugendlichen 63
an Gruppenarbeit mit behinderten Kindern / Jugendlichen 10
an Gruppen- und Einzelarbeit mit jugendlichen Mädchen 14
an Projektarbeit mit Mädchen 10
an offenen Terminen für Frauen 45
an offenen Terminen für Kinder 42
an Einzelarbeit mit Männern 5
Familienberatung 2
an Supervisionen 16
an Fach-Fortbildungen im SEKA-Haus 10
Viele KlientInnen nahmen parallel an mehreren Angeboten teil.

Projekt: ‚Ökonomisches Empowerment für Frauen’

Wie bereits im letzten Journal angekündigt führt SEKA gemeinsam mit drei anderen Organisationen ein Projekt zum Ökonomischen Empowerment durch - für Frauen, die aufgrund verschiedener Faktoren (Alter, Behinderung, Krankheit, Traumatisierung u.a.) keine Chance auf eine reguläre Beschäftigung haben.

Nachdem es zunächst von Seiten des Geldgebers (UN WOMEN) Verzögerungen gegeben hatte, ist das Projekt schließlich im Februar angelaufen. In sechs verschiedenen Gruppen lernen insgesamt 24 Frauen zu weben. Nach Abschluss der ‚Grundausbildung’ erlernen sie spezifische Muster, die von einer Firma in Sarajevo verlangt werden, die die Stoffe dann zu Taschen und anderen Produkten verarbeiten wird. Die Frauen, die den Kurs erfolgreich abschließen, erhalten ein Zertifikat und einen Webstuhl, an dem sie in Heimarbeit weiter produzieren können. Der Absatz ihrer Stoffe wird von dieser Firma garantiert. Die Kurse laufen gut, das Weben macht den Frauen Freude. Parallel zu den Kursen finden im SEKA-Haus psychosoziale Workshops für die Teilnehmerinnen statt. Durch diese sollen die Frauen die Möglichkeit haben, sich - über die Vermittlung von praktischen Fähigkeiten hinaus - auch psychisch zu stabilisieren, ihre Beziehungen in der Gruppe zu festigen und an Themen ihres Interesses zu arbeiten. In der Gruppenarbeit, die von Mevlida Rovèanin geleitet wird, werden psychodramatische und soziometrische Techniken und Übungen bzw. Spiele, kreative Methoden wie auch psycho-edukative Einheiten eingesetzt.

Fortbildungsreihe: ‚Traumatherapie mit der Methode Psychodrama’

Im Oktober 2017 werden wir die im September 2014 begonnene Weiterbildungsreihe ‚Traumatherapie mit der Methode Psychodrama’ (gefördert vom Weltgebetstag der Frauen, Deutsches Komitee) mit einem Kolloquium abschließen.

Die beiden letzten Seminaren haben ‚Soziometrie’ und ‚Soziodrama’ zum Thema. Außerdem haben die Teilnehmerinnen jeweils an einem Tag die Gelegenheit, zu zweit die Weiterbildungsgruppe unter Supervision zu leiten.

Seit dem zweiten Weiterbildungsjahr haben die Teilnehmerinnen begonnen, den gelernten therapeutischen Ansatz in ihrer eigenen Arbeit mit KlientInnen anzuwenden. Dafür bekommen sie von Gabriele Müller supervisorische Unterstützung, die sie gerne nutzen.

Seit Januar dieses Jahres haben die Kolleginnen außerdem damit begonnen ihre Abschlussarbeiten zu schreiben, in denen sie jeweils die Anwendung der gelernten Methode an Beispielen aus der eigenen Praxis darstellen und theoretisch untermauern. Die Arbeiten werden von Fortbildungsleiterin Gabriele Müller als Mentorin betreut.

Während des Abschluss-Kolloquiums im Oktober wird dann jede Teilnehmerin ihre Abschlussarbeit unter Nutzung der psychodramatischen Methode präsentieren und in der Gruppe zur Diskussion stellen. Die Weiterbildung wird schließlich mit der feierlichen Übergabe der Zertifikate und einer abendlichen Feier abgeschlossen. Die Zertifikate werden in Zusammenarbeit mit dem Bildungs- und dem Sozialministerium des Kantons verliehen. Dies gibt ihnen auch formal ein größeres Gewicht.

Arbeit mit der kleinen Psychodrama-Bühne
Arbeit mit der kleinen Psychodrama-Bühne

Projekt: ‚Das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben frei von Gewalt’

Im letzten Journal schrieben wir bereits, dass wir für dieses Jahr ein Projekt planen, dass die Durchsetzung der Istanbuler Konvention bzgl. des Problems der Gewalt gegen Frauen bzw. in den Familien auf lokaler Ebene voranbringen soll.

Wir freuen uns sehr, dass wir für die Durchführung des Projekts auf die Förderung durch medica mondiale (Köln) zählen können. Die Organisation bewilligte im März unseren Projektantrag, der neben der Förderung der traumatherapeutischen Arbeit mit Überlebenden von Gewalt auch die finanzielle Unterstützung für die Arbeit mit Institutionen beinhaltet.

Wir planen einerseits Seminare zur Sensibilisierung, Fortbildung und Supervision für FachkollegInnen der im Falle von Gewalt zuständigen Institutionen (Zentrum für Sozialarbeit, Polizei, Zentrum für psychische Gesundheit, Schulen, Staatsanwaltschaft, Gericht etc), andererseits - in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Sozialarbeit und der Polizei die Evaluation aller Fälle von Gewalt in der Familie der letzten fünf Jahre - seit 2012 die Istanbuler Konvention von Bosnien-Herzegowina unterschrieben wurde. In einer Studie wollen wir erforschen und dokumentieren, was in jedem einzelnen Fall geschehen ist (Ausgangssituation, Interventionen und heutiger Stand). Die Ergebnisse dieser Studie werden wir dann zunächst gemeinsam mit VertreterInnen der zuständigen Institutionen analysieren, um zu identifizieren, welche Faktoren verhindern, dass Frauen langfristig ein Leben frei von Gewalt führen können. Abgeleitet von diesen Faktoren werden wir dann Vorschläge an die Politik erarbeiten. Diese werden dann in Form von Treffen bzw. einem Runden Tisch mit den Regierungsvertretern diskutiert.

Das gesamte Projekt wird durch intensive Medien und Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden. Erste Gespräche zur Vorbereitung des Projekts mit dem neuen Direktor des Zentrums für Sozialarbeit und mit den Ministerien für Soziales und für Bildung verliefen sehr positiv. Es stehen nun Gespräche mit dem Minister des Inneren (Polizei) und mit den Zuständigen Polizeikommandanten, sowie mit Staatsanwaltschaft und Gerichten an.

Projekt: „... dass wir jetzt unser Leben selbst gestalten!”

Nachdem wir im September 2016 das Projekt ‚Wir erheben unsere Stimme’ mit Frauen aus drei Dörfern in der Umgebung von Gorazde sehr erfolgreich abgeschlossen hatten (wir berichteten darüber ausführlich im letzten SEKA-Journal - Nr. 27), äußerten die Frauen aus den dörflichen Gemeinschaften den Wunsch nach weiteren Workshops mit den SEKA-Mitarbeiterinnen. Diesmal wünschten sie sich eher psycho-edukative Themen (Arbeit an Ressourcen, Kompetenzen und dem eigenen Selbstbild; Arbeit mit Emotionen und Kindererziehung). Die Förderung durch die Ökumenische Fraueninitiative ermöglichte die Fortsetzung dieser Workshops in der Zeit von Januar bis April 2017. In dieser Zeit sind die Frauen noch nicht so stark in Garten und Landwirtschaft eingespannt.

Die Leitung der Workshops, übernahm diesmal unsere langjährige externe Mitarbeiterin, Therapeutin Nurka Babovic.

One Billion Rising 2017

Emina Delahmet hatte bereits im Dezember die Organisation der diesjährigen Gorazder Aktion der globalen Kampagne gegen Gewalt gegen Mädchen und Frauen ‚One Billion Rising’ (bosnisch ‚Jedna milijarda ustaje’) übernommen. Im Dezember erarbeitete sie mit Mädchen und Jungen das Thema ‚Gewalt’ in kleinen Workshops und im Januar und Anfang Februar studierten sie den Tanz ‚Break the chain’ ein.

Die Aktion am 14.02.2017 - in Zusammenarbeit mit der Grundschule ‚Hussein ef. Dozo’, dem Kulturverein der Jugend (KUM) Gorazde und dem Jugendrat Gorazde wurde ein voller Erfolg: Neben dem Kampagnentanz, der große Beachtung in den Medien fand, gab es noch unterschiedliche kulturelle Beiträge - von der Gorazder ‚Rockschule’ und dem Schulchor - unterbrochen von Redebeiträgen zum Thema Gewalt.

Auch der Gorazder Bürgermeister, der neue Direktor des Zentrums für Sozialarbeit und der Sozialminister waren anwesend und betonten ihre Unterstützung der Kampagne gegen Gewalt und ihre Bereitschaft, gemeinsam mit SEKA die Prävention und die Hilfen für Betroffene zu verbessern.

Emina Delahmet mit den jüngsten Aktivistinnen der Kampagne ‚One Billion Rising’
Emina Delahmet mit den jüngsten Aktivistinnen
der Kampagne ‚One Billion Rising’

Finanzen

Die Spendeneinnahmen von SEKA Hamburg e.V. haben sich leider auch im Jahr 2016 weiter verringert. Dies ist einerseits sehr verständlich, wenn wir anschauen, wieviele Brennpunkte es in dieser Welt gibt. Dennoch ist es so, dass SEKA noch immer auf Unterstützung aus dem Ausland, insbesondere Deutschland angewisen ist. Im Jahr 2016 hatte SEKA staatliche Unterstützung (Stadt und Kanton) in Höhe von umgerechnet ca 2.000 € bei Projektausgaben von knapp 140.000 €. Wir sind auch dieses Jahr in intensiven Gesprächen mit insbesondere der Kantonsregierung über eine höhere langfristige Förderung SEKAs. Aber in diesem Jahr ist die Finanzlage des Kantons äußerst schlecht, sodass wir auch in diesen Verhandlungen einen langen Atem beweisen müssen.

Wir freuen uns daher sehr, dass wir für das Jahr 2017 weiter vom Weltgebetstag der Frauen, Deutsches Komitee, gefördert werden (das letzte Jahr) und sind glücklich über die erneute Förderung durch die Ökumenische Fraueninitiative Omis und nun auch medica mondiale. Ein großes Dankeschön an diese Organisationen!

Den größten Teil der Finanzierung verdankt SEKA jedoch nach wie vor seinen FörderInnen und UnterstützerInnen, das heißt Ihnen allen! Wir danken Ihnen sehr für Ihre wunderbare und oft langjährige Unterstützung! Und wir freuen uns, wenn Sie uns weiter auch in diesem Jahr treu bleiben!

Neben den ‚normalen Überweisungen’ können Sie SEKA auch online über die Spendenplattform ‚betterplace’ unterstützen:
SEKA und Veteranenprojekt

Weitere Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie unter: http://www.seka-hh.de/unterstuetzung.htm

Den Finanzbericht für das Jahr 2016 finden Sie - sobald er von unserem Steuerberatungsbüro fertiggestellt ist - wie üblich unter http://www.seka-hh.de/finanzen.htm.

Mit herzlichen Grüßen

Gabriele Müller und Kolleginnen des SEKA-Teams Gorazde

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