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SEKA Journal Nr. 28, Dezember 2017

Wie geht es weiter mit SEKA?

Gespräch mit dem SEKA-Team Gorazde

Das SEKA-Team
Das SEKA-Team

Über die anstehenden Veränderungen im Projekt führte Nikolina Garaca, Soziologin und externe SEKA-Mitarbeiterin, folgendes Gespräch mit dem Gorazder SEKA-Team, das wir hier in Auszügen dokumentieren. Anwesend waren Esma Drkenda (Koordinatorin), Gabriele Müller (Projektleitung), Mevlida Rovcanin (Therapeutin - Arbeit mit Frauen) und Emina Delahmet (Sozialpädagogin - Arbeit mit Kindern, derzeit Vertretung für Amina Sarajlic). Amina Sarajlic (Kindertherapeutin und derzeit in Elternzeit) beantwortete Nikolinas Fragen schriftlich.

Nikolina Garaca (NG): Gabriele, du hast dich entschieden, im Jahr 2018 deine Arbeit im SEKA-Projekt nach dann 21 Jahren zu beenden. Wie kam es zu dieser Entscheidung - und wie geht es dir damit?

Gabriele Müller (GM): Im nächsten Jahr werde ich 63 Jahre alt - und habe dann 40 Jahre lang mit Überlebenden von Gewalt und vielfach schwer traumatisierten Menschen gearbeitet. Diese Arbeit hat mir trotz der oft schmerzhaften Themen immer große Freude gemacht. Es ist für mich wunderschön, den Heilungsprozess von zutiefst verletzten Menschen zu begleiten und zu erleben, wie sie ihre Selbstachtung und Handlungsfähigkeit zurückgewinnen und sich ihr Leben wieder aneignen.

Allerdings habe ich mit Hunderten traumatisierter Frauen, Kinder und Männer gearbeitet und in der letzten Zeit habe ich oft das Gefühl, dass ich sehr ‚voll’ bin von diesen vielen Schicksalen und intensiven Prozessen und gleichzeitig auch müde, weil das alles auch viel Kraft kostet.

Dies ist ein Grund, warum ich mich entschieden habe, im Jahr 2018 die direkte Arbeit mit KlientInnen zu beenden. Bereits 2017 habe ich mich zunehmend mehr auf die Supervision und Beratung meiner Kolleginnen im SEKA-Team und aus anderen Institutionen und Projekten sowie auf die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen insgesamt konzentriert.

2018 werde ich allerdings nicht nur meine Arbeit mit KlientInnen beenden, sondern auch wieder nach Deutschland zurückkehren. Dies hängt zum einen mit gesundheitlichen Aspekten und dem leider nach wie vor miserablen Gesundheitssystem in Bosnien-Herzegowina zusammen. In den vergangenen Jahren war ich immer wieder ernsthaft krank und musste jedes Mal nach Deutschland fliegen, um wieder gesund zu werden. Zum anderen hat meine Rückkehr auch mit familiären Verpflichtungen in Deutschland zu tun.

Es gibt für mich also einerseits wichtige Gründe für diese Entscheidung, andererseits fällt sie mir alles andere als leicht; denn mit SEKA und Gorazde - vor allem mit den Menschen hier - bin ich tief verbunden.

Daher werde ich auch von Deutschland aus weiter beratend und supervisorisch das SEKA-Team begleiten und sicher auch mehrmals jährlich zur Supervision und Seminaren nach Gorazde kommen. In Hamburg werde ich weiter Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit für SEKA machen, d.h. es wird auch weiter das SEKA-Journal und den Rundbrief geben. Ich werde also SEKA noch lange erhalten bleiben!

Übung zum Thema ‚Mein Körper’ mit der Mädchengruppe
Übung zum Thema ‚Mein Körper’ mit der Mädchengruppe

NG: Deine Rückkehr nach Deutschland bedeutet für SEKA und das Team eine sehr große Veränderung. Was macht dich zuversichtlich, dass dieser Übergang gelingen kann? Gibt es auch etwas, das dir Sorgen macht?

GM: Optimistisch machen mich zuallererst die Qualität und die große Motivation jeder einzelnen Kollegin des SEKA-Teams - das Wissen, dass sie die Werte, die die Philosophie und den therapeutischen Ansatz von SEKA prägen, zutiefst verinnerlicht haben und diese professionell und persönlich leben. Das ist für mich die wichtigste Grundlage.

Darüberhinaus haben wir als Team bereits 2015 begonnen - mit professioneller Hilfe von außen - den strategischen Plan für den Übergang zu erarbeiten. In diesem Prozess haben wir viele Faktoren definiert, die für eine erfolgreiche Veränderung notwendig sind. Davon haben wir bereits einen guten Teil umgesetzt.

Zum Beispiel haben wir die SEKA-Aufgabenbereiche erweitert (neben der therapeutischen Arbeit, die immer SEKAs erster Schwerpunkt sein wird) - noch mehr in Richtung Advocacy, d.h. Initiieren von notwendigen gesellschaftlichen Prozessen. Darunter fällt in diesem und den kommenden Jahren insbesondere die Arbeit an der Realisierung der Instanbuler Konvention (Gewaltprävention und adäquate Hilfen für Opfer familiärer Gewalt) auf lokaler Ebene. Durch die Erweiterung der Aufgabenbereiche erschließen sich SEKA (so hoffen wir) auch weitere Möglichkeiten der Finanzierung.

Die Finanzierung ist nämlich ein Punkt, der mir gegenwärtig große Sorgen macht. In den letzten drei Jahren sind unsere Rücklagen immer weiter geschrumpft. Auch im Jahr 2017 haben sich die Spendeneinnahmen von SEKA Hamburg e.V. erneut verringert. Gleichzeitig wird es sicherlich noch Jahre dauern, bis SEKA vom Kanton Gorazde eine nennenswerte Förderung erwarten kann.

Es wäre für mich nun sehr schwierig, wenn durch meinen Rückzug aus der direkten Projektarbeit in Gorazde sich möglicherweise manche FörderInnen oder UnterstützerInnen von SEKA zurückziehen würden. Denn das würde das Fortbestehen von SEKA ernsthaft gefährden. Ich kann da nur betonen, dass sich an der Qualität der SEKA-Arbeit wie auch an der Notwendigkeit dieser nichts ändern wird! Und ich bitte unsere FörderInnen und UnterstützerInnen in Deutschland von Herzen, SEKA weiter treu zu bleiben!

KollegInnen aus Institutionen, die an einem Seminar zum Thema ‚Gewalt’ teilnehmen
KollegInnen aus Institutionen, die an einem Seminar zum Thema ‚Gewalt’ teilnehmen

NG: Wie ist es denn für euch als SEKA-Team, wenn Gabriele im nächsten Jahr ihre regelmäßige Arbeit im Projekt beenden wird und auch nicht mehr ständig in Gorazde sein wird?

Vera Dacic (VD): Natürlich bin ich mir bewusst, dass jeder Mensch irgendwann in Rente geht; aber soviel ich mich auch auf diese Situation vorbereitet habe, ich bin traurig. Wenn jemand dir hilft, dass du deinen inneren Frieden findest, und dir im Leben auch existentiell Stabilität gibt, dann ist es nicht leicht, wenn diese Person geht. Gabriele hat für das Projekt SEKA feste Fundamente geschaffen, sie hat all ihr Wissen und ihre Fachlichkeit investiert und auch für die finanzielle Stabilität des Projekts gesorgt. Das tat sie mit großem Einsatz gegenüber Klientinnen und Klienten und gegenüber uns Kolleginnen. Sie hat gute Beziehungen aufgebaut, SEKA als eine Institution im Gemeinwesen etabliert, sie hat uns ausgebildet und selbstlos den größten Teil ihres Lebens in das Projekt SEKA investiert. Ich arbeite nun seit mehr als 13 Jahren mit ihr gemeinsam und diese Periode ist die beste in meinem Leben überhaupt. Sie hat mich gestärkt, mir geholfen, dass ich mir all meiner Ressourcen bewusst werde, meine Qualitäten entwickle und dass ich im Frieden mit mir selbst und mit anderen lebe! Gabrieles langjährige Arbeit mit Klientinnen und Klienten ist für mich faszinierend. Den Erfolg sehe ich an den Menschen: ihre Zufriedenheit, ihre Freude, ihr Lächeln, ihre Fähigkeit, auch schwierige Situationen im Leben zu bewältigen. Aber aus all diesen Gründen wird mir Gabrieles Weggang persönlich und beruflich schwerfallen.

Mevlida Rovcanin (MR): Meine erste Begegnung mit Gabriele und ihrer Art der traumatherapeutischen Arbeit fand im 2012 statt, als ich zu einem Fortbildungsseminar in Kuca SEKA im Rahmen meiner damaligen Gestalttherapie-Weiterbildung kam, das Gabriele leitete. Die Begegnung mit Gabriele und Kuca SEKA weckte in mir den Wunsch, an der nächsten Fortbildungsreihe in ‚Traumatherapie mit der Methode Psychodrama’, die in SEKA stattfinden würde, teilzunehmen. Und dann eineinhalb Jahre später erfüllte sich für mich gar der Traum, Mitarbeiterin im SEKA-Team zu werden! Auf diese Weise wurde ich Teil dieses besonderen Projekts und war quasi ‚an der Quelle’ des spezifischen therapeutischen SEKA-Ansatzes und dieser Methode!

Die Tatsache, dass Gabriele ab dem nächsten Jahr nicht mehr ständig in Gorazde sein wird, weckt in mir schon eine gewisse Angst. Ich bin es gewohnt, dass ich jedes meiner Dilemmata, Unsicherheiten oder Zweifel in der Arbeit mit KlientInnen mit ihr besprechen kann und durch die Supervision klarer die Knackpunkte erkennen kann - bei der Klientin oder auch bei mir. Was mir auch ein Stück weit Sorgen macht, ist die Tatsache, dass Gabriele eine große Autorität im Gemeinwesen hier hat, die sie durch ihre Professionalität, ihre jahrelange traumatherapeutische Arbeit und ihr Engagement für das Gemeinwesen bekommen hat. Es ist für mich schwer vorstellbar, dass jemand anderem eine solche Hochachtung und Wertschätzung entgegengebracht werden wird.

Andererseits bin ich mir sicher - aufgrund meiner Ausbildungen in Gestalttherapie und in Traumatherapie sowie durch die jahrelange Arbeit unter Supervision - dass ich die traumatherapeutische Arbeit erfolgreich weiterführen kann!

Esma Drkenda (ED): Je näher das Jahr 2018 rückt, desto mehr beschäftigt mich der Gedanke, dass Gabriele aus Gorazde weggehen wird. Das ist alles andere als einfach für mich. Einerseits verstehe ich Gabrieles Entscheidung und unterstütze sie darin. SEKA ist das geworden, was es heute ist - dank Gabrieles Vision, ihrem Glauben an das Potential eines jeden Menschen, ihrer beharrlichen Arbeit. Ich danke ihr für all das, was sie für die Menschen in Gorazde getan hat, was sie für mich und mein Leben und für meine alte Mutter getan hat. Sie hat mich gelehrt, die Welt mit anderen Augen zu sehen, das Leid anderer mitzuempfinden und zu verstehen. Ihr besonderes Engagement, die Art und Weise, wie sie arbeitet, ihre Liebe und Wärme hat so viele erstarrte Lichter in den Herzen der Frauen, Kinder und Männer wieder erweckt. Durch so viele Erfahrungen sind wir gemeinsam hindurchgegangen, sie hat uns beigebracht, die Schönheit im Leben zu sehen und sie war da in vielen schwierigen Momenten mit ihrer Unterstützung und Ermutigung.

Deshalb verdient Gabriele nun unsere ganze Unterstützung für ihre Entscheidung!

Aber sie wird uns sehr fehlen!

Sie hat uns so Vieles gelehrt, gemeinsam sind wir mit SEKA gewachsen - wir als Team, aber auch jede einzelne von uns. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass sie nicht täglich da sein wird - als Teil unseres Teams, Teil unseres Lebens, als Teil Gorazdes!

Aber ich weiß auch, dass Gabriele, wo auch immer sie sein wird, ein Teil von SEKA sein wird, genau wie wir, die wir hier bleiben!

Emina Delahmet (EMDEL): Ich arbeite erst seit knapp einem Jahr in SEKA. Ich vertrete Amina Sarajlic während ihrer Elternzeit in der Arbeit mit den Kindern.

Ich habe in diesen Monaten in SEKA sehr viel gelernt - über die Arbeit in einem Projekt, über die Arbeit mit Menschen und besonders mit den Kindern. Am meisten habe ich dabei von Gabriele gelernt. Sie ist ein großartiger Mensch! Ich habe mich sehr an sie gewöhnt und sie wird mir sehr fehlen! Wann auch immer ich ein Problem in der Arbeit hatte, oder nicht weiter wusste, war sie für mich da und half mir mit ihrer großen Erfahrung. In der Arbeit mit Gabriele habe ich auch viel an mir selbst gearbeitet. Sie hat eine so positive Wirkung auf die Menschen in ihrer Umgebung! Ich habe inzwischen viel mehr Selbstvertrauen und fühle mich viel bewusster und kompetenter.

Es tut mir leid, dass Gabriele weggehen wird, aber es ist mir eine außerordentliche Ehre und ich bin glücklich, dass ich sie kennengelernt habe und dass ich die Gelegenheit hatte, mit ihr zu arbeiten! Sie hat mich Vieles gelehrt und mich zu einem großen Teil für die Zukunft vorbereitet - sowohl im Hinblick auf die Arbeit aber auch auf das Leben an sich. Dafür bin ich ihr sehr dankbar!

NG: Wie geht es nun weiter mit SEKA? Einige eurer Sorgen habt ihr ja bereits angesprochen ... Was stimmt euch denn optimistisch?

ED: Ich hoffe, dass wir mit SEKA schon unseren Weg finden werden, auch wenn mir die Frage der Finanzierung - genau wie Gabriele - Sorgen macht. SEKA ist noch immer so sehr notwendig für unsere Stadt, für die Menschen, die so vieles erlebt und erlitten haben und die sich seit nun mehr als zwanzig Jahren mit einem dysfunktionalen Staat, mit Korruption, Ungerechtigkeit und Perspektivlosigkeit herumschlagen müssen. Genau die Menschen, die im Krieg ihre Gesundheit und oft alles, was sie besaßen, verloren haben, die hat dieser Staat vergessen oder besser gesagt: verraten. Sie leben oft unter der Armutsgrenze, sie haben keine Lobby - außer SEKA. Diese Gesellschaft muss sich dringend ändern. SEKA sehe ich in diesem Prozess als einen wichtigen Faktor - zum einen als Initiatorin für gesellschaftliche Veränderungsprozesse, zum anderen als Lobby und beraterische und edukative Unterstützung für stigmatisierte und marginalisierte Gruppen. Das Vertrauen der Menschen in SEKA gibt mir die Motivation und die Kraft weiterzumachen.

Außerdem denke ich, dass wir uns als Team - gemeinsam mit Gabriele so gut als möglich auf diesen Übergang vorbereitet haben.

VD: Zuversicht gibt mir, dass SEKA ein festes Fundament hat, das das Team sehr qualifiziert, gestärkt und motiviert ist; dass wir die Aufgabenbereiche erweitert haben, was uns noch breitere Wirkungsmöglichkeiten gibt in unserem Gemeinwesen und darüber hinaus. Ein Stück Beruhigung ist für mich auch, dass Gabriele auch in Deutschland noch zwei Tage wöchentlich weiter für SEKA tätig sein wird - das werden wir wohl auch noch sehr brauchen - vor allem bzgl. des Fundraisings. Denn es ist leider so, dass es immer schwieriger wird, für die direkte therapeutische Arbeit Geldgeber zu finden. Ich hoffe und wünsche mir daher sehr, dass die SEKA-Unterstützerinnen und -Unterstützer in Deutschland unsere Situation verstehen werden und uns weiter entsprechend ihrer Möglichkeiten unterstützen; denn SEKA ist - wie Esma schon sagte - auch so viele Jahre nach dem Krieg noch immer sehr notwendig. Viele Menschen sind erst jetzt bereit, an ihren Traumata zu arbeiten; SEKA hat durch seine Arbeit erreicht, dass allmählich in der Öffentlichkeit das Bewußtsein über die langfristige Zerstörungskraft von Kriegstraumata aber auch über die Folgen von z.B. Gewalt in der Familie wächst.

EMDEL: Ich bin optimistisch, dass wir den Übergang schaffen werden, weil ich Vertrauen in unser Team habe und sehe, dass die Kolleginnen schon lange intensiv an diesem Übergang arbeiten. Jede Kollegin ist qualifiziert und verantwortlich in ihrem Bereich. Ich denke, wie schon die anderen gesagt haben, wir haben von Gabriele sehr viel gelernt und dieses Wissen bleibt ja in SEKA.

MR: Mir machen die Finanzen, die für das Projekt nötig sind, am meisten Sorgen. Gabriele hat uns auch im Fundraising ausgebildet, aber leider gibt es - wie Vera sagt - immer weniger Möglichkeiten, für die direkte Arbeit mit den Menschen Anträge zu stellen.

Die ökonomisch-politische Situation in Bosnien-Herzegowina und insbesondere in unserem Kanton ist so, dass SEKA sicherlich noch lange nicht mit einer nennenswerten Förderung von seiten der Stadt oder des Kantons rechnen kann. Und gleichzeitig haben sich die internationalen Geldgeber zu einem großen Teil aus Bosnien-Herzegowina zurückgezogen, was zwar verständlich ist, aber unsere Situation nicht leichter macht ...

Aber auch mich beruhigt die Tatsache, dass Gabriele uns weiter begleiten und unterstützen wird, sowohl im Fundraising als auch beratend und durch Supervision.

Und was unser Team angeht, bin ich sehr optimistisch.

Seit zwei Jahren planen wir bereits diesen Übergang, haben ihn gut vorbereitet und schon einige Weichen gestellt.

Für mich selbst kann ich sagen: Bereits vier Jahre arbeite ich nun in SEKA und lebe in Gorazde (ich stamme ursprünglich aus Prijepolje in Serbien). Ich wusste auch früher, was Gorazde im Krieg durchgemacht hat, aber nun erlebe ich das hautnah durch die Geschichten und Traumata meiner Klientinnen und Klienten - und ich muss sagen, ich habe große Hochachtung gegenüber den Schicksalen der Menschen hier und vor ihrem Mut und Überlebenswillen! Ich kann Gabrieles große Motivation und ihr langjähriges Engagement sehr gut verstehen. Und ich möchte selbst meinen Beitrag leisten, dass die Menschen hier ihre schweren Traumata überwinden und dass wir gemeinsam verhindern, dass diese von einer Generation auf die andere übertragen werden.

NG: Ich danke euch im Namen der Leserinnen und Leser des SEKA-Journals für dieses Gespräch!

Amina Sarajlic, Dipl.Pädagogin und Kindertherapeutin (derzeit im Elternurlaub) schreibt:

„Als uns Gabriele vor drei Jahren bereits sagte, dass sie für 2018 plane, in Rente zu gehen und nach Deutschland zurückzukehren, hatte ich ganz widerstreitende Gefühle: zuerst erschrak ich; dann sagte ich mir, wenn jemand es verdient hat, in Rente zu gehen, dann sie, die so viele Jahre mit so vielen schwer traumatisierten Menschen gearbeitet hat; und dann wieder dachte ich: Ach nee, Gabi in Rente gehen, das kann ich nicht glauben!

Und nun rückt der Zeitpunkt doch immer näher!

Natürlich hat Gabriele bzgl. SEKA nichts dem Zufall überlassen, sondern dafür gesorgt, dass wir uns als Team darauf jahrelang und gründlich vorbereiten. Und sie hat uns maximal unterstützt und ermutigt in unserer Selbständigkeit, damit SEKA weiter gut funktioniert.

Es tut mir sehr leid, dass sie weggehen wird; es ist, als ob ein Pfeiler von SEKA weggeht; und sie wird mir fehlen! Ich kann ihr nur dafür danken, dass sie SEKA nach Gorazde gebracht hat! Aber trotz allem bin ich auch optimistisch, dass wir das gemeinsam schaffen werden: Da ist unsere besondere Verbundenheit als Team, unsere Entschlossenheit, um SEKA zu kämpfen, unsere Professionalität, unsere gemeinsame Kraft und nicht zuletzt unsere Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber, den Kindern, Frauen und Männern, die unsere Hilfe brauchen!

Mit SEKA verbindet mich ein ganz besonderes untrennbares Band! SEKA und die SEKE (Anm.: SEKA-Kolleginnen) waren für mich da und mit mir in den schwersten aber auch in den glücklichen Momenten meines Lebens! Durch die Arbeit in SEKA habe ich gesehen, wie wichtig das Projekt auch in Zukunft für die Menschen hier ist - ganz besonders für die Kinder und Jugendlichen, mit denen ich arbeite. Leider sind auch heute - so viele Jahre nach dem Krieg - die Traumata präsent - in den Familien und in der Gesellschaft; und sie übertragen sich auf die Kinder. Trauma ist wie ein Domino-Effekt. Aus diesem Grund muss es SEKA weiter in Gorazde, in Bosnien-Herzegowina geben!

Und da wünsche ich mir und hoffe so sehr, dass unsere UnterstützerInnen in Deutschland weiter an unserer Seite sein werden. Mit ihrer Hilfe können wir jeden Tag die Welt zu einem etwas besseren Ort machen!”

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