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SEKA Journal Nr. 28, Dezember 2017

Abschluss der fünften Fortbildungsreihe ‚Traumatherapie mit der Methode Psychodrama’

Im Oktober 2017 schlossen wir die bisher fünfte dreieinhalbjährige Fortbildungsreihe ‚Traumatherapie mit der Methode Psychodrama’ für Fachkolleginnen aus ganz Bosnien-Herzegowina mit einem fünftägigen Kolloquium ab. Während des Kolloquiums präsentierte jede der Kolleginnen ihre schriftliche Abschlussarbeit psychodramatisch und stellte sie zur Diskussion. Auch diesmal waren wir alle begeistert von der Vielfältigkeit und der Professionalität der Arbeiten und der Kreativität der Präsentationen. Eine der Abschlussarbeiten dokumentieren wir in Auszügen auf den folgenden Seiten.

Am letzten Tag des Kolloquiums übergaben wir - gemeinsam mit einer Vertreterin des kantonalen Bildungsministeriums - feierlich die Zertifikate, die durch die Anerkennung des Ministeriums zusätzliche Bedeutung gewonnen haben. Für den ‚Weltgebetstag der Frauen, deutsches Komitee’, der diese Fortbildungsreihe finanziell ermöglichte, führte unsere externe Kollegin Lejla Kazagic zur Evaluation der gesamten Fortbildungsreihe ausführliche Interviews mit den Teilnehmerinnen. Sie wählte für das SEKA-Journal einige Zitate aus der Evaluation aus:

„Diese Fortbildungsreihe war für mich außerordentlich nützlich! Ich kann diese Methode und die meisten Übungen und Techniken auch hervorragend in der Arbeit mit Kindern anwenden: Gerade auch die Arbeit mit den Symbolen auf der kleinen Bühne nutze ich sehr häufig. Ich arbeite viel mit Kindern, die aus dysfunktionalen Familien kommen, manche haben schon selbst psychiatrische Diagnosen und sind von ihrer Umgebung stigmatisiert. Durch die psychodramatische therapeutische Haltung und die Methode können sich die Kinder ganz anders, ganz neu erfahren. Sie entdecken ihre eigenen Qualitäten und entwickeln (manchmal zum ersten Mal) ein positives Selbstbild. Ihre Selbstheilungskräfte werden gestärkt und ihnen selbst bewusst. Diese Kinder sind oft sehr intelligent und nutzen die Methode für sich sehr kreativ. Ich bin immer wieder erstaunt und berührt, welche Prozesse da möglich sind, die die Kinder auch selbst benennen (z.B. in der Übung ‚Brief an mich selbst’, die ich häufig nach einigen Terminen vorschlage).”
„Was mich sehr beeindruckt hat, ist die vollkommen akzeptierende Fürsorglichkeit von Gabriele und Edita als Therapeutinnen; so etwas habe ich hier zum ersten Mal im Leben erlebt! Ich hatte Mentoren, aber niemals war jemand so wie sie. Tatsächlich hätte ich nicht geglaubt, dass so etwas möglich ist. Das ist für mich eine Entdeckung: dass jemand so fürsorglich sein kann und doch mit klaren Grenzen und didaktisch! ... Das ist für mich vollkommen faszinierend. Diesen fürsorglichen akzeptierenden Aspekt versuche ich, in meine therapeutische Haltung zu integrieren und ich glaube, dass mir das zu einem guten Teil gelingt. Indem ich begonnen habe, diese fürsorgliche Haltung mehr und mehr zu übernehmen, habe ich entdeckt, dass ich da selbst auch ein eigenes Potential habe - sowohl in der therapeutischen Arbeit als auch in zwischenmenschlichen Beziehungen - weniger kritisierend zu sein und mehr akzeptierend. Das ist für mich eine der wichtigsten Veränderungen durch diese Fortbildung!”
„Etwas, das sich bei mir entscheidend verändert hat, ist meine Sensibilität gegenüber Gewalt: Ich habe auch früher in meiner Arbeit Anzeichen von Gewalt bemerkt, aber das eher übergangen und nicht ernst genommen. Damit hab ich den betroffenen Klientinnen vermittelt, dass ich das gar nicht so genau wissen will; denn ich fühlte mich damit überfordert! Jetzt nehme ich solche auch unausgesprochenen Anzeichen wahr und kann kompetent reagieren. Ich bin mir bzgl. des Gewaltproblems in den Familien und in der Gesellschaft viel bewusster und das spüren auch meine Klientinnen und sind nun eher bereit, sich diesbezüglich zu öffnen.”
„Ich fühle mich sehr bereichert durch die Erfahrung dieser Fortbildungsreihe - auch persönlich, ich habe begonnen mich selbst mehr zu lieben und für meine Bedürfnisse zu sorgen und ich habe mehr Wertschätzung und Verständnis gegenüber Anderen!”
„Ich bin beeindruckt von der SEKA-Arbeit, von ihrer Haltung in der Arbeit; alles was sie tun, tun sie von Herzen und nicht nur um irgendeine Form zu erfüllen. Ich wünsche ihnen noch sehr viel Erfolg! Gabi ist eine wirkliche Ressource, sie ist ein seltener Diamant!”
„Auch fachlich habe ich sehr von der Fortbildung zu Traumatherapie profitiert: Früher habe ich mich nicht an die Bearbeitung von Traumata gewagt. Und wenn ich mit traumatisierten KlientInnen gearbeitet habe, dann blieb das auf der Ebene von Stabilisierung und Erhöhung der Funktionalität der KlientInnen im Alltag. Eher oberflächlich ... Ich hatte weder das Wissen noch die Techniken, um tiefer zu gehen. Diese Fortbildung war für mich daher etwas vollkommen Neues; ich habe da sehr viel und ganz grundsätzlich gelernt! Auch wenn ich jetzt an der Erhöhung der Funktionalität arbeite, an der kognitiven Einsicht, dann habe ich immer im Kopf den ganzen möglichen trauma-therapeutischen Prozess, den ich dem Klienten oder der Klientin anbieten kann, wenn sie oder er dazu bereit ist. Ich fühle mich jetzt viel kompetenter und sicherer!”
„Am wertvollsten sind für meine Arbeit die Übungen zu Ressourcen, die Imaginationsübungen und überhaupt alle Übungen zur Stabilisierung. Auch die Arbeit auf der kleinen und erst recht auf der großen Bühne sind machtvolle Instrumente, die man sehr behutsam anwenden muss. Aber diese Methode ist unglaublich effektiv, man kommt sehr schnell zum entscheidenden Punkt. In der Arbeit mit traumatisierten Klientinnen oder Klienten finde ich die Techniken zur Distanzierung sehr hilfreich, sie geben den Überblick und helfen, Emotionen zu dosieren: Damit kann ich verhindern, dass Klientinnen vom Emotionen überschwemmt und evtl. retraumatisiert werden.”
„Ich kann nur sagen, dass ich dankbar bin, dass ich die Gelegenheit hatte, diese Fortbildungsreihe zu durchlaufen, dass ich die ganze Gruppe und unsere Leiterinnen Gabriele und Edita kennenlernen konnte. Die beiden sind phänomenal und ein total verrücktes Paar. Die Arbeit mit ihnen machte immer auch Spass! Sie sind absolut professionell - aber auch Menschen und Frauen ... von großer Qualität und sehr interessant. Ich hab mich jedes Mal auf das nächste Seminar gefreut! Es wäre mir eine Ehre, wenn ich eines Tages auch solche Seminare leiten könnte ... nur da ist noch ein Weg hin ... aber das ist definitiv etwas, was ich mir vorstellen kann. Ich liebe meine Arbeit und ich sehe mich als eine, die diese Philosophie und Methode gerne weiterverbreiten würde. Dazu wünsche ich mir noch weitere Gelegenheiten zu Supervision und vielleicht zu Seminaren für TrainerInnen.”
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