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SEKA Journal Nr. 26, Dezember 2015

Gorazde, 16. Oktober 2015

Liebe SEKA-Freundinnen und Freunde,

wieder ist ein Jahr vergangen seit dem letzten SEKA-Journal. Leider ist die Welt in diesem Jahr nicht zu einem besseren Ort geworden - im Gegenteil. Die Liste der Kriege, blutigen Konflikte, Terrorakte, der Beispiele von Verfolgung und Vertreibung ist lang: Syrien, Irak, Ukraine, Palästina / Israel, Lybien, Nigeria, Somalia, Afghanistan sind nur einige der lodernden oder schwelenden Brandherde, die die Welt erschüttern.

Das einzig Neue ist, dass die Länder der Europäischen Union und gerade auch Deutschland die Auswirkungen dieser Kriege und Krisen deutlicher spüren als früher; denn die Menschen, die vor Krieg und Terror, Armut und Unterdrückung fliehen, suchen inzwischen in großer Anzahl Sicherheit und Schutz in den europäischen Ländern - und riskieren dafür vielfach das eigene Leben.

Die beschwerlichen Fluchtrouten führen auch durch die Balkanländer - bisher hauptsächlich Serbien und Kroatien. Die Zahl der Flüchtlinge in Bosnien-Herzegowina ist bisher gering, da das Land nicht an eines der wohlhabenden EU-Länder grenzt und selbst als Zufluchtsort kaum in Frage kommt. Dennoch sind die Kriege und die Probleme der Flüchtlinge hier sehr präsent.

Die Fernsehbilder vom Krieg und der katastrophalen Situation der Flüchtlinge wirken für viele unserer KlientInnen als Trigger - sie erinnern sie an ihre eigenen Erfahrungen von Krieg, Vertreibung und Flucht und bewirken oft massive Emotionen: Trauer, Ohnmacht, Ängste, aber auch Mitgefühl. Dies ist immer wieder Thema unserer therapeutischen Arbeit.

Und auch in uns SEKA-Mitarbeiterinnen lösen die schwer zu ertragenden täglichen Schreckensmeldungen oft Gefühle von Ohnmacht und manchmal auch Zweifel am Sinn unserer Arbeit aus. Wir wissen, wie schwierig und langwierig der Heilungsprozess traumatisierter Menschen ist - insbesondere Menschen, die gezielte Grausamkeiten durch andere erfahren haben.

Durch die wachsende Anzahl kriegerischer Konflikte sind immer mehr Menschen - und wie stets in erster Linie Frauen und Kinder - schwersten Formen von Gewalt ausgesetzt. Die Gewalt gegen Frauen und Mädchen erreicht dabei neue, extreme Ausmaße.

Es fällt uns nicht schwer, uns vorzustellen, was das Erbe dieser Gewalt sein wird - ihre langfristigen Folgen: eine immer weitergehende Eskalation der Gewaltspirale weltweit!

Neben der Notwendigkeit für eine menschliche internationale Flüchtlingspolitik ist es daher unseres Erachtens höchste Zeit, dass die Internationale Gemeinschaft beginnt, sich ernsthaft mit den Ursachen für die weltweiten Kriege, Konflikte und die Radikalisierung einer wachsenden Zahl junger Männer auseinanderzusetzen: mit Armut und Ungleichheit, dem Profitstreben der internationalen Konzerne und dem Dominanzgebaren der reichen Länder. Überfällig ist die Entwicklung einer globalen Ethik, die die Menschen und nicht den Profit ins Zentrum aller politischen Handlungen stellt!

Die auf dem UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung im September 2015 verabschiedeten 17 Milleniums-Entwicklungsziele könnten ein Anfang sein, wenn sie wirklich entschlossen umgesetzt werden würden!

Doch solange noch immer Freihandelsabkommen wie TTIP, CETA und TPP abgeschlossen werden, die einzig der Profitmaximierung internationaler Konzerne dienen und jeglicher Ethik und Demokratie zuwiderlaufen, solange internationale Institutionen wie der IWF armen Ländern wie z.B. Bosnien-Herzegowina Maßnahmen verordnen, die die im 20. Jahrhundert mühsam erstrittenen Arbeitnehmerrechte wieder aufkündigen und die ArbeitnehmerInnen zu modernen Sklaven degradieren, solange haben wir große Zweifel an der Umsetzung dieser hochgesteckten Ziele.

Neben all diesen besorgniserregenden Geschehnissen gab es allerdings im September auch eine sehr freudige Nachricht: Dem Projekt SEKA wurde gemeinsam mit dem Wiener Projekt ‚Integrationshaus’ der diesjährige Dr. Alexander Friedmann Preis verliehen!

Das Wiener Psychosoziale Zentrum ESRA, das diesen Preis seit 2009 auslobt, würdigte damit SEKAs langjähriges Engagement für traumatisierte Menschen und für Verständigung und Frieden (siehe auch Seite 4).

Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung, ganz besonders auch, weil wir sie für unsere traumatherapeutische Arbeit bekommen - von einem fachlich hochqualifizierten Gremium. SEKA ist die erste Organisation außerhalb Österreichs, die diesen Preis zuerkannt bekommen hat!

Und nun zum Inhalt dieses Hefts:

Nun wünschen wir Ihnen allen eine schöne Vorweihnachtszeit, frohe Weihnachten und für das Jahr 2016 alles alles Gute!

Mit herzlichen Grüßen
Ihr SEKA-Team Gorazde,
und Christa Paul, Mirjana Bilan und Angelika Huntgeburth von SEKA Hamburg e.V.

Titelbild SEKA-Journal Nr. 26 / Dezember 2015
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